Finanz- und Wirtschaftsblog

Schwarze Null – Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Für 2018 hat die große Koalition zum fünften Mal in Folge einen ausgeglichener Haushalt verabschiedet. Somit konnte Schäuble erneut den heiligen Gral der Finanzminister –die schwarze Null – verkünden. Fraglich bei der Debatte ist nur, ob und wie weit Schäuble oder die Koalition für die guten Ergebnisse verantwortlich sind bzw. die schwarze Null überhaupt etwas ist, was gefeiert werden sollte.

Es gibt Zweifel daran, dass die große Koalition oder Herr Schäuble einen überbordenden Sparwillen besitzen oder eine neue, nie endende Geldquelle gefunden hätten. Die Hauptverursacher werden in externen Faktoren und Einflüssen, sowie der stabilen und guten Wirtschaftslage gesehen.

Darüber hinaus gibt es auch mit dem Wirtschaftsweisen Bofinger und dem Ökonomen Stiglitz angesehene Kritiker dieser Wirtschaftspolitik. Beide kritisieren deutlich die geringe Investitionsbereitschaft.

Die Finanz- und Staatsschuldenkrise nützt Deutschland

Der Erfolg des aktuellen Haushalts liegt in der Finanzkrise 2007. Länder wie Griechenland, Spanien oder Portugal wurden von der Finanz- und Staatsschuldenkrise hart getroffen. Sie mussten steigende Risikoaufschläge auf ihre Staatsanleihen verkraften und bekamen zunehmende Schwierigkeiten, sich am Kapitalmarkt zu refinanzieren. Bis zu dem Zeitpunkt, wo eine Refinanzierung unmöglich war und sie unter die europäischen Rettungsschirme schlüpfen mussten.

Deutschlands Staatsanleihen verzeichneten einen gegenläufigen Trend. Mit zunehmender Unsicherheit entwickelten sich die deutschen Staatsanleihen zu sicheren Häfen für Anleger. Die hohe Nachfrage drückte die Zinsen. Dieses Spiel ging so weit, dass Anleger Deutschland sogar Geld dafür zahlten, dass sie Anleihen erwerben durften. Deutschland muss somit weniger Geld zurückzahlen, als es aufgenommen hat.

Dieser Trend wirkte sich unmittelbar auf den Staatshaushalt aus. So sank die Zinsbelastung, die zwischen 2000 und 2009 im Mittel bei 38 Milliarden lag, auf 17,5 Milliarden in 2016. Zusätzlich sank der durchschnittliche Zinssatz der Bundesschuld auf 1,61 Prozent. Bis 2008 lag er bei über 4 Prozent. Allein die geringeren Zinsen machen mehr als 60 Prozent der Einsparungen aus.

Die brummende Wirtschaft als weiterer Faktor

Zwar ist die Zinsentlastung für den überwiegenden Teil des ausgeglichenen Haushalts verantwortlich, dennoch trägt auch die Wirtschaft ihren Anteil.

In den PIIGS-Staaten mündete die von Deutschland geforderte Austerität in einer Abwärtsspirale. Staatliche Kürzungsprogramme und Sparwahn trieben die Wirtschaften in eine Rezession, die für Steuerausfälle und weitere Kürzungen verantwortlich war. Konträr dazu schlug Deutschland einen anderen Weg ein. Dort, wo Deutschland von anderen Einsparungen forderte, setzte es in drei Konjunkturpaketen auf die Stützung der Wirtschaft.

Als Folge erholte sich die deutsche Wirtschaft von dem Schock der weltweiten Finanzkrise und ging gestärkt aus ihr hervor. So übertrafen die Einnahmen des Bundes bereits 2011 das Niveau vor der Krise. Fünf Jahre später lagen die Einnahmen um weitere 17 Prozent höher.

Die antizyklischen Konjunkturprogramme haben der deutschen Wirtschaft einen massiven Vorteil in der Zeit nach der Krise verschafft. Im Sport würde man von einem Frühstart sprechen. Die höheren Einnahmen die daraus resultierten, lassen heute den Haushalt in einem guten Licht dastehen.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Die sinkende Zinsbelastung und die gestiegenen Steuereinnahmen sind die Haupttreiber für die schwarze Null. Beide Faktoren können aber nur bedingt durch die Politik beeinflusst werden. Daher ist es durchaus kritisch zu sehen, wenn die aktuelle Regierung sich mit fremden Lorbeeren schmückt.

Sollte in Zukunft das Zinsniveau wieder ansteigen, wird der Haushalt sehr schnell wieder ein Defizit ausweisen. Bei einem Anstieg des durchschnittlichen Zinsniveaus von aktuell 1,6 Prozent auf 2,5 Prozent würde der Haushalt von 2016 bereits ein leichtes Defizit aufweisen. Bei einem Anstieg auf 3 Prozent würde der Bund ein Defizit von 5 Milliarden erzielen. Berücksichtigt man dann noch eine Abkühlung der Wirtschaft und ein Absinken der Steuereinnahmen, so werden sehr schnell wieder Defizite im Bereich von 20-25 Milliarden erreicht.


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