Finanz- und Wirtschaftsblog

Milliardäre – Die Profiteure der Ungleichheit

Die wirtschaftlichen und finanziellen Ungleichgewichte in Europa und der Welt haben in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen und eine Situation geschaffen, in der wenige Menschen sehr viel besitzen und die Mehrheit der Bevölkerungen nichts oder Schulden besitzen. Diese Situation, in der wenige Milliardäre mehr besitzen, als fünfzig Prozent der gesamten Erdbevölkerung, ist immanent mit unserem aktuellen Wirtschafts- und Finanzsystem verknüpft. Ein System, das permanent nach Monopolisierung und Vermögenskonzentration strebt.

Milliardäre und ihr Vermögen

So gab es im vergangenen Jahr insgesamt 2.397 Dollar Milliardäre die ein Vermögen von 7,4 Billionen Dollar auf sich vereinten. Dem gegenüber standen 3,7 Milliarden Menschen die ohne Vermögen in Armut lebten. Verglichen mit 2015 sank die Zahl der Milliardäre um 3,1 Prozent ebenso wie ihr Vermögen, welches um 3,7 Prozent abnahm. Dieser Effekt ist aber nicht außergewöhnlich, da die Entwicklung sich zu einem Zeitpunkt mit starkem Dollar vollzog, in der Fremdwährung eine leichte Abwertung hinnehmen mussten.

Veränderungen gegenüber 2015
Veränderungen gegenüber 2015

So wuchs die Anzahl der Milliardäre in den USA um 4,1 Prozent, während in Europa und Asien die Anzahl um 6,1 bzw. 5,9 Prozent abnahm. Die genannten Regionen stellen darüber hinaus die Mehrzahl der Milliardäre. Allein in Nordamerika leben 654 Milliardäre mit einem Gesamtvermögen von annähernd 2,7 Billionen Dollar. Auf Platz zwei folgt Europa mit 757 Milliardären und 2,1 Billionen Dollar Vermögen und auf Platz 3 folgt Asien mit 607 Milliardären und 1,5 Billionen Dollar. In Asien wiederum ist eine starke Konzentration auf die beiden aufstrebenden Wirtschaftsmächte China und Indien zu erkennen, die zusammen mehr als die Hälfte aller dort ansässigen Milliardäre auf sich vereinen.

Ebenfalls eine hohe Konzentration an der Spitze

Die Konzentration auf wenige Menschen und Regionen setzt sich bei den Milliardären selbst ebenfalls fort. An der Spitze mit mehr als 50 Milliarden Dollar Vermögen stehen nur fünf Menschen während 85 Prozent aller Milliardäre weniger als fünf Milliarden Dollar besitzen und ihr Anteil am Gesamtvermögen 51 Prozent beträgt. Somit gelten auch für Milliardäre die gleichen wirtschaftlichen Zwänge und Entwicklungen, wie sie für die meisten anderen Menschen auch gelten: An der Spitze der Pyramide ist nur für sehr wenige Platz.

Milliardäre Anzahl Vermögen
Milliardäre Anzahl Vermögen

Neben den absoluten Zahlen und der Verteilung der Milliardäre ist es auch interessant zu wissen, wie die Demografie dieser Superreichen aussieht, wo sie investieren und wie sie zum Milliardär wurden. Bei den demografischen Merkmalen wird deutliche, dass die Mehrheit der Milliardäre männlich sind, im Durchschnitt 64 Jahre alt und zu 60 Prozent ihr Vermögen durch Eigenleistung (Gründung eines Unternehmens) erzielt haben. Nur elf Prozent aller Milliardäre sind Frauen, von denen wiederum die Mehrheit von 57 Prozent ihren Status durch ein Erbe erzielt hat. Nur 16 Prozent haben dies durch Eigenleistung geschafft, während 27 Prozent eine Kombination aus Erbe und Eigenleistung vorweisen.

Milliardäre nach Geschlecht
Milliardäre nach Geschlecht

Bei den Industrien, in denen Milliardäre investiert sind, dominieren vor allem die Finanzdienstleistungen und Industriekonzerne. Das höchste Gesamtvermögen je Milliardär wird aber in der noch jungen Technologiesparte erzielt, deren Anteilseigner auch deutlich unter dem Durchschnittsalter aller Milliardäre liegt. Was dennoch alle Milliardäre eint, ist, dass eine zunehmende Vernetzung stattfindet.

Finanzieller Einfluss weitet sich aus und sichert den Status Quo

Und dies ist für die Gesellschaft und Demokratie schädlich, da die finanzielle Macht dieser Schicht extremen Einfluss auf die Politik und Gesellschaft ausübt. In den USA ist es heute kaum noch möglich, einen erfolgreichen Wahlkampf ohne die Spenden der Superreichen zu führen, weil der Kampf um das Weiße Haus mehrere hundert Millionen Euro verschlingt. Aber auch in Deutschland wächst ihr Einfluss zunehmend, wie man bei den Großspenden der Automobilindustrie in Person von Frau Klatten und den Geschwistern Quandt sieht.

Aber auch die Think Tanks, Stiftungen und gezielten Spenden der Milliardäre beeinflussen Meinungen, Menschen und ganze Gesellschaften. Somit besitzt eine sehr kleine Schicht in einer Demokratie eine überproportionale Mitbestimmung, die sich durch ihr Vermögen erkauft hat. Ein Vermögen, das durch die schiere Größe immer schneller anwächst und die Konzentrationsbestrebungen noch verstärkt. Es ist letzten Endes ein Teufelskreislauf aus Geld, Macht und persönlichen Interessen, der nicht nur demokratische Prinzipien untergräbt, sondern auch Ausdruck der gesellschaftlichen Ungleichheit ist.

Quelle: Wealth X Milliardär Zensus


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