Finanz- und Wirtschaftsblog

Die Griechische Tragödie – Wen retten wir wirklich?

Die Schlangen an den Suppenküchen werden länger, die Arbeitslosigkeit verharrt auf einem hohen Niveau und viele Menschen können sich einen Arztbesuch nicht mehr leisten. Was nach einem ehrlichen Reiseprospekt für ein Dritte-Welt-Land klingt, beschreibt Griechenland: Die Wiege der Demokratie, Erfinder der olympischen Spiele und ein europäischer Staat.

257 Milliarden Euro an Finanzhilfen hat Griechenland seit dem Ausbruch der Staatskrise vor sieben Jahren bekommen. Aufgeteilt in drei Rettungspakete, die alle eins gemeinsam haben: Die griechische Bevölkerung erhält kaum etwas davon.

Aber wenn wir die Griechen nicht retten, wen retten wird dann? Die Antwort ist so simpel und so allgegenwärtig in den letzten zehn Jahren, wie kaum etwas anderes. Wir retten Banken, Investoren und den ein oder anderen politischen Entscheider.

Die Rettungspakete

Im Jahr 2010 konnte sich Griechenland nicht mehr an den Finanzmärkten durch frisches Geld refinanzieren und stand somit vor einem Staatsbankrott. Um diesen zu verhindern, wurde das erste Rettungspaket im Mai aufgelegt, aus dem 73 Milliarden Euro an Griechenland ausbezahlt wurden. 52,9 Milliarden Euro stammten von den europäischen Mitgliedsländern und 20,1 Milliarden Euro vom IWF.

Die mit dem Rettungspaket einhergehenden Forderungen nach Reformen führten jedoch nicht zum erwünschten Erfolg. Sodass mit dem Auslaufen des ersten Rettungspakets im Jahr 2012 der Bedarf für weitere Hilfen notwendig wurde. Das zweite Rettungspaket umfasste 143,8 Milliarden von denen 11,9 Milliarden durch den IWF getragen wurden. Der Rest in Höhe von 131,8 Milliarden trug die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF), stellvertretend für die Mitgliedsstaaten der EU.

Im Juni 2015 wurde erneuter Finanzierungsbedarf notwendig, der im August im 3. Rettungspaket mündete. Für den Zeitraum zwischen dem 2. Und 3. Rettungspaket wurde ein Überbrückungskredit von 7,16 Milliarden Euro gewährt. Das 3. und aktuellste Rettungspaket wurde durch die Nachfolgeorganisation der EFSF, den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) gewährt. Das Paket umfasst aktuell Zahlungen im Umfang von 40,2 Milliarden Euro.

Die Verwendung der Rettungspakete

Die Milliarden, für die die europäischen Steuerzahler bürgen, kommen jedoch nicht den Griechen zu Gute. Tilgung, Zinszahlungen, Rekapitalisierung von Banken und Schuldenschnitt stellen die Hauptpunkte der Verwendung dar.

Die Schuldentilgung nimmt mit 108,6 Milliarden den größten Posten ein. Der ESM und die ESFS haben hierfür langlaufende Anleihen von mehreren Jahrzehnten ausgegeben und das eingenommene Geld an Griechenland weitergegeben. Dieses nutzt die Einnahmen zur Rückzahlung fälliger Anleihen und Kredite. Mit 64 Milliarden stellen die Zinszahlungen den zweiten großen Posten dar und sind für aktuell noch laufende Anleihen und Kredite zu leisten. Langfristig wird die Zinsbelastung durch die besseren Konditionen von ESFS und ESM für den griechischen Staat sinken und den Haushalt entlasten.

Mit 37,3 Milliarden Euro schlägt die Rekapitalisierung von Banken, die in Schieflage geraten sind, zu. Schuldenkrise und die wirtschaftliche Lage in Griechenland haben dazu geführt, dass Banken einem hohen Abschreibungsbedarf ausgesetzt waren. Um eine Zahlungsunfähigkeit zu verhindern, wurden in den Rettungspakete Mittel vorgesehen, die als Eigenkapitalspritzen genutzt wurden. Für den Schuldenschnitt im Jahr 2012 sind Kosten von 29,7 Milliarden zu berücksichtigen. Der Rest, von 17,4 Milliarden, wurde dem griechischen Staat zugeführt.

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Wer wird also wirklich gerettet?

Die griechische Bevölkerung leidet unter massiven Sparmaßnahmen im sozialen Bereich und durch die Kürzung der Löhne und Renten. Die Armut steigt, die medizinische Versorgung verschlimmert sich und ein Ende der Krise ist nicht in Sicht. Im Gegenzug dazu müssen sich die Menschen von Zeitungen – mit wenigen Buchstaben im Titel – vorhalten lassen, dass sie faul wären. Die Griechen selbst wurden nie gerettet, sie mussten immer nur die Folgen der Krise und der korrupten politischen Klasse tragen.

Wer gerettet wurde, waren viele deutsche und französische Banken und Versicherer. Diese hielten vor der Krise entsprechende Bestände an griechischen Staatsanleihen, die nun durch die Rettungspakete auf die europäischen Steuerzahler übertragen wurden. Griechenland selbst wird diese Rettungspakete niemals zurückzahlen können, das einzige was aktuell passiert, ist eine Verschiebung der Risiken in die Zukunft. In eine Zukunft, in der die Verursacher längst nicht mehr an der Macht sind…


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