Finanz- und Wirtschaftsblog

Europas Jugend: Perspektiv- und Arbeitslos

Das Auftreten der Finanzkrise in 2007 und 2008 war eine Zäsur für die meisten Menschen in Europa. Neben den mittleren und unteren Einkommen waren vor allem die jungen Menschen in Europa betroffen. Viele von ihnen verloren nicht nur ihre Arbeit, sondern auch jegliche Perspektive in naher Zukunft wieder einen anständigen und gut entlohnten Arbeitsplatz zu finden.

Jugend von Europa findet kaum Arbeitsplätze

Gerade in den südlichen Ländern Europas hat die Krise verheerende Wirkungen entwickelt und Arbeitslosigkeit in Höhe von 20 Prozent und mehr bei den 15 bis 29-jährigen verursacht. Und diese Situation hat sich bis heute nicht merklich verbessert, insbesondere nicht in Spanien und Griechenland. Während in Spanien im Jahr 2007 noch 54,3 Prozent der 15 bis 29-jährigen einer Erwerbstätigkeit nachgingen, sank dieser Wert bis 2016 auf nur noch 34,6 Prozent. Dieser drastische Rückgang ist nicht allein mit der Zunahme der Studierendenzahl zu erkläre, welche im gleichen Zeitraum nur um acht Prozent gestiegen ist.

Viele dieser jungen Menschen sind in die Arbeitslosigkeit gerutscht oder finden keine Ausbildung. Spanien stellt in Europa in dieser Hinsicht aber eine Besonderheit dar, da es bis 2007 durch billige Kredite eine Immobilienblase erzeugte, die die gesamte Wirtschaft in eine Rezession zog. Zuvor war es genau dieser Wirtschaftsbereich, der vor allem junge Menschen anzog. Viele von ihnen verdienten in der Baubranche so viel Geld, dass es sich für sie nicht lohnte eine Ausbildung oder ein Studium aufzunehmen. Diese Kurzsichtigkeit und der Blick auf das schnelle Geld rächten sich im Nachhinein.

Griechenlands Austeritätspolitik als Brandbeschleuniger

In Griechenland stellte sich die Situation etwas anders dar. Zwar war auch hier die Baubranche ein attraktiver Arbeitgeber, aber die Mehrheit der jungen Menschen nahmen Ausbildungen und Studium auf. Durch die von außen oktroyierte Austeritätspolitik verloren aber weite Teile der griechischen Gesellschaft ihr Einkommen, sodass viele Familien sich ein Studium der Kinder nicht mehr leisten konnten, wobei letztere auch keine Nebenjobs mehr fanden, die ein solches hätten finanzieren können. Die Schwierigkeiten der Finanzierung des eigenen Lebens betrafen aber nicht nur die jungen Menschen in den Ländern. Die gesamte Gesellschaft leidet unter dem wirtschaftlichen Abschwung ihrer Wirtschaft, was sich auch in den Einkommen der einzelnen Haushalte wiederspiegelt.

Arbeitslosigkeit und Lohnkürzungen sind die Folge der Krise

In Griechenland lebten im Jahr 2016 die Hälfte der Menschen von einem jährlichen Nominaleinkommen, das unter 7.500 Euro lag. Neun Jahre zuvor verdiente dieser Teil der Gesellschaft noch 3.700 Euro mehr. Die anderen Länder verzeichneten zumeist eine Stagnation oder nur ein leichtes Absinken der Nominaleinkommen. Was in diesen Statistiken aber nicht berücksichtigt wird, sind die Inflationsraten. Werden diese berücksichtigt, haben wir in den meisten Ländern erhebliche Reallohnverluste.

Differenziert man die Bevölkerung weiter auf und betrachtet die 25 Prozent der unteren Einkommen, dann wird das Bild noch düsterer. Gerade die Menschen, die bereits am unteren Ender finanziellen Einkommen leben, wurden durch die Krise zusätzlich belastet und mussten stärkere Einbußen hinnehmen, als der Rest der Bevölkerung.

Menschen wandern für eine bessere Zukunft aus

Diese Situation ist, neben der sozialen Sprengkraft in den Ländern, auch für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit enorm gefährlich. Während untere Einkommensschichten tendenziell eine geringere Mobilität aufweisen, sind es gerade junge Akademiker, Fachkräfte und erfolgreiche Unternehmensgründer, die ihre Zukunft in wirtschaftlich stärkeren und sicheren Regionen Europas oder der Welt suchen.

Auswanderung
Auswanderung

Das Phänomen, das auch als Brain-Drain bekannt ist, hat in der Vergangenheit regelmäßig zu einem wirtschaftlichen Niedergang der Auswanderungsländer geführt, während die Einwanderungsländer eine Blütezeit erlebten. Wenn Länder wie Griechenland, Spanien, Italien oder Portugal ihr Fachkräftepotenzial nicht halten können, dann werden sie zukünftig nicht nur wirtschaftlich und in der Produktivität zurückfallen, sie werden die Spirale des Niedergangs noch beschleunigen.

Europa spaltet sich zunehmen in Reich und Arm auf

Die jungen Menschen stimmen mit den Füßen ab und man kann es ihnen auch nicht verdenken. Warum sollten sie einem Land gegenüber Verbundenheit empfinden, wenn es sie und ihre Familien nicht ernähren kann. Was sie sehen ist, dass Banken innerhalb von Tagen mit Milliarden gerettet werden können, für den Arbeitsmarkt aber kein Geld vorhanden ist. Die Bürokratie in Griechenland und Italien jeglichen Unternehmergeist erstickt und die Steuer- und Abgabenlast eine Unternehmensgründung zusätzlich erschwert.

Die skandinavischen Länder machen es vor, wie es funktionieren kann. Trotz hoher Sozial- und Steuerabgaben ist Skandinavien ein attraktiver Ort zum Arbeiten und zum Gründen. Vielleicht sollten wir in Europa häufiger von funktionierenden Lösungen abkupfern, anstatt immer das eigene politische und ideologische Süppchen zu kochen und nach der Pfeife von Konzernen und Banken zu tanzen.


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