Finanz- und Wirtschaftsblog

Dieselskandal – Volkswagen verliert Marktanteile

Vor zwei Jahren nahm in den USA der Dieselskandal seinen Lauf und beherrscht bis heute die Menschen und die Nachrichten gleichermaßen. Volkswagen, das den Skandal mit einer illegalen Abschalteinrichtung initiiert hatte, erlitt durch das Fehlverhalten und den Strafzahlungen in Milliardenhöhe eine immense wirtschaftliche Schieflage. Dennoch scheinen der Konzern nichts aus seiner Vergangenheit gelernt zu haben.

Anstatt der Skandal offensiv anzugehen und aufzuarbeiten, verfolgen alle großen Hersteller die typische Salami-Taktik, in der nur so viel zugegeben wird, wie unbedingt notwendig ist. Ein getreuer Begleiter in solchen Situationen findet die Automobilbranche stets in der deutschen Politik, die jeglichen Schaden versucht zu minimieren.

Politik hält schützende Hand über die Automobilindustrie

So ist nicht nur der Einfluss der Kanzlerin auf strengere Grenzwerte in Brüssel legendär, auch die Art und Weise wie das Kraftfahrt-Bundesamt und das Verkehrsministerium während des Skandals agierten, spricht nicht unbedingt für ein Interesse am Verbraucherschutz. Hier haben sich anscheinend die jährlichen Parteispenden der Autoindustrie, das massive Lobbyieren und die Aussicht auf lukrative Nebentätigkeiten der Abgeordneten ausgezahlt.

So kommen die deutschen Hersteller hierzulande mit ineffektiven Software-Updates davon, während sie in den USA durch Sammelklagen dazu gezwungen wurden, ihre Autos zurückzunehmen. Aber auch in Deutschland formiert sich Widerstand, insbesondere in Form des BUND und der Gerichte. Letztere ziehen immer stärker in Erwägung, dass in Städten mit Überschreitungen der Grenzwerte sogenannte Diesel-Fahrverbote ausgesprochen werden.

Anteil der verkauften Diesezlfahrzeuge sinkt

Allein diese Drohung reichte bereits aus, dass die Verbraucher den Diesel beim Kauf immer stärker meiden. So sank der Anteil des Diesels an neu zugelassenen PKWs in den letzten drei Jahren um zehn Prozent. Während Anfang 2014 in Deutschland noch 50 Prozent aller Neuzulassungen Diesel waren, sanken sie bis Juli auf 40 Prozent. Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil der Benziner auf 55 Prozent und Hybrid und Elektroautos erzielten zusammen 3,25 Prozent.

Volkswagen könnte einen Umschwung der Verbraucherpräferenzen locker wegstecken, schwerwiegender ist der Vertrauensverlust in die Marke, denn dieser schlägt sich unmittelbar in den Verkaufszahlen des Konzerns nieder. So hat Volkswagen in den letzten drei Jahren Marktanteilsverluste von sechs Prozent erleiden müssen und das bei steigenden Absatzzahlen. Die Profiteure unter den großen deutschen Herstellern dieser Schwäche waren Audi und Mercedes, die jeweils um ein Prozent zulegen konnten. Der Rest verteilt sich auf Marken wie Toyota, Ford oder Nissan.

Ob diese Neuordnung der Verhältnisse anhält bleibt abzuwarten, da Audi als Tochtermarke von Volkswagen vom Skandal ebenfalls betroffen ist. Und auch Mercedes und BMW überschreiten deutlich mit ihren Autos die Grenzwerte, wenngleich ihnen bisher noch keine „illegale“ Abschalteinrichtung nachgewiesen werden konnten. Ändert nichts daran, dass ihre Abgasreinigungen nur in einem sehr engen Temperaturfenster funktionieren und sie nicht viel sauberer als die Autos des Volkswagen-Konzerns sind.

Private Autokäufer auf dem Rückzug

Aber auch langfristige Trends scheinen den Autokonzernen nicht in die Karten zu spielen. So haben erste Länder Absichtserklärungen abgegeben, dass sie im nächsten Jahrzehnt einen Ausstieg aus der Technologie des Verbrennungsmotors vollziehen wollen. Skandinavien und die Niederlande sind bereits mit der Infrastruktur für Elektroautos weit vorangeschritten. Dazu kommt, dass immer mehr private Haushalte von Neuanschaffungen absehen.

Durch die höhere Attraktivität des ÖPNV aber auch Angeboten wie Car-Sharing nimmt die Anzahl an privat zugelassen PKWs ab. Heute machen gewerbliche Zulassungen zwei Drittel aller Neuzulassungen aus, während private Zulassungen bei einem Drittel verharren. Die Attraktivität ist auf der einen Seite gesunken, da jüngere Generationen bevorzugt zu Gebrauchten greifen und das Auto nicht mehr als Statussymbol wahrnehmen. Für sie ist es Nutzungsgegenstand, dessen Nutzen die anfallenden Kosten übersteigen muss.

Langfristtrends deuten auf eine Abkehr vom Individualverkehr hin

Dazu kommt, dass die Stagnation von Löhnen und Gehältern dazu geführt hat, dass viele Autos zu teuer sind. Das Verhältnis von Löhnen zu Neuwagenpreisen hat sich in den letzten Jahren ungünstig entwickelt und macht es oftmals nicht mehr möglich, sich die entsprechenden Wagen zu leisten. In diese Bresche sind zwar Unternehmen aufgrund von attraktiven Steuerprivilegien eingesprungen, fraglich ist nur, ob langfristig dieser Trend anhält. Auch große Absatzmärkte wie China haben die Problematiken des Individualverkehrs erkannten und setzen nicht nur auf rigorose Zulassungsquoten, sondern auch auf eine drastische Erhöhung der Elektromobilität. Nicht unbedingt die Stärken der deutschen Autoindustrie.

Die Automobilindustrie hat viel Vertrauen verspielt, ist bei entscheidenden Trends hinten an und scheint nicht zu wissen, wo es hingehen soll. Dieses Zögern und die Fixierung, auf große und leistungsstarke Verbrennungsmotoren, kann langfristig die Unternehmen stärker in die Bredouille bringen. Dies konnte man insbesondere bei der Post sehen, die gezwungen war, selber E-Autos zu bauen, da die großen Hersteller nicht willens oder in der Lage waren, den Bedarf zu angemessenen Preisen zu decken.

Ob die Elektromobilität wirklich der Weisheit letzter Schluss ist, wird die Zukunft zeigen, aber sich auf den Lorbeeren der Vergangenheit auszuruhen, hat noch keinem Unternehmen und seinen Beschäftigten gut getan. Besonders im Hinblick darauf, dass der Diesel tatsächlich sauber sein könnten, wenn die Gewinnmarge nicht das bedeutendste Entscheidungskriterium in den Managementetagen wäre.

Datenquelle: Kraftfahrt-Bundesamt


Ähnliche Artikel

Tafeln sind in Deutschland das Symptom einer verfehlten Sozialpolitik

Tafeln sind in Deutschland das Symptom einer verfehlten Sozialpolitik

Die Entscheidung der Essener Tafel, vorerst nur Menschen mit deutschen Pass als Neukunden aufzunehmen, hat in den letzten Wochen bundesweit für hitzige Diskussionen gesorgt. Manche bezeichnen die ehrenamtlichen Tafelmitarbeiter und ihren Leiter Jörg Sartor als Nazis, andere zeigen Verständnis für die Entscheidung der Tafel. Das […]

Diesel-Fahrverbote sind eine Blamage für die Bundesregierung

Diesel-Fahrverbote sind eine Blamage für die Bundesregierung

Mit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, das den Weg für Diesel-Fahrverbote frei macht, erleiden Bundesregierung und Autoindustrie eine empfindliche Niederlage. Das es überhaupt so weit kommen musste, ist der Politik und ihrer Nähe zur Autoindustrie zu verdanken, die seit dem Ausbruch des VW-Dieselskandals immer bizarrere Formen […]