Finanz- und Wirtschaftsblog

Arm vs. Reich – Die Teilung Deutschlands

Im Wahljahr 2017 ist allerorten zu hören, wie exzellent Deutschland in der Welt dasteht. Die Exportüberschüsse sind ein Zeichen der Stärke und den Menschen in Deutschland geht es so gut, wie nie zuvor. Und dennoch äußern viele Menschen ein Unbehagen. Sie empfinden sich wirtschaftlich abgehängt, nicht wertgeschätzt und ärmer als in der Vergangenheit.

Dieses Empfinden wird durch den veränderten Alltag verstärkt. Plätze und Straßen werden von Menschen aufgesucht, die aus der Not heraus Flaschen sammeln, um ihr Einkommen aufzubessern. Studenten, Arbeitslose und Rentner, die für eine Mahlzeit auf Lebensmittelspenden der Tafeln angewiesen sind. Letztere haben sich seit 2000 auf 900 Stück mehr als verdreifacht, um die Versorgung von 1,5 Millionen Bedürftigen Herr zu werden. Aber wie ist es zu dieser Situation gekommen, in der viele Menschen nur wenig haben und wenige Menschen sehr viel?

Der erzwungene Verzicht bei den Reallöhnen

Ein Grund für die prekäre Situation ist die Entwicklung der Reallöhne in den letzten beiden Jahrzehnten. Diese verzeichneten im Jahr 2016 ein Plus von 4,3 Prozent zur Ausgangsbasis von 1992. Dabei wurde der Anstieg vor allem in den letzten drei Jahren erzielt. Bis dahin kannten die Reallöhne vorzugsweise nur eine Richtung: Die nach unten!

Treiber der Senkung von Reallöhnen ist in den Arbeitsmarktreformen der Ära Kohl und Schröder zu suchen. Die Arbeitsmarktreform der Ära Kohl im Jahr 1996 verursachte das erste stärkere Absinken der Reallöhne auf 98,7 Prozent. Diese Werte wurden nur durch die späteren Hartz IV Gesetze, ab dem Jahr 2003 unter Schröder und der SPD, unterboten.

Und in der gleichen Zeit, in denen die Politik und die Unternehmen die Reallöhne niedrig hielten, stieg die Produktivität um fast 40 Prozent. Diese Mehrleistung spiegelte sich jedoch nicht in den Taschen der Arbeiter wieder, sondern in den gestiegenen Unternehmensgewinnen.

Durchschnitt – Der Freund der Ungleichheit

Bei Betrachtung des Medians und den unteren / oberen 20 Prozent der Einkommensklassen zeichnet sich ein noch düsteres Bild. So mussten vor allem die unteren Einkommen einen massiven Reallohnverlust hinnehmen. Sie wurden durch die Hartz IV Gesetze am stärksten getroffen und verloren in der Spitze über 8 Prozent ihrer Kaufkraft. Bei Löhnen zwischen 1.100 und 1.400 Euro sprechen wir von etwa 100 Euro im Monat oder der Hälfte der Lebensmittelausgaben. Im Gegensatz dazu, sind die oberen 20 Prozent der Einkommensklasse maßgeblich für den höheren durchschnittlichen Reallohnanstieg verantwortlich.

Das Monopol des Reichtums

Die Spaltung der Arbeitnehmerschaft in arm und reich durch die Arbeitsmarktreformen trifft täglich Millionen von Menschen, die mehr schlecht denn recht über die Runden kommen. Die Zuspitzung dieser Ungleichheit wird aber erst bei der Betrachtung der Vermögensverteilung wirklich klar.

Im Jahr 2012 betrug das Gesamtvermögen in Deutschland 6 Billionen Euro. Davon besaßen ein Drittel aller Menschen über 17 Jahre in Deutschland nichts oder sie waren sogar verschuldet. Die Hälfte der über 17-jährigen – also 34 Millionen – besaßen 1,7 Prozent des Gesamtvermögens. Dies entsprach 109 Milliarden Euro und der Median betrug in dieser Gruppe 15.000 Euro.

Dem gegenüber steht eine kleine Gruppe von etwa 700.000 Menschen, die ein Drittel des Gesamtvermögens besaßen. Anders ausgedrückt: Das reichste 1 Prozent in Deutschland besitzt 18-mal so viel, wie die ärmere Hälfte. Die reichsten 10 Prozent besaßen 2012 mit 58 Prozent mehr als die Hälfte der 6 Billionen Euro. Diese Schieflage hat sich bis 2017 weiter ausgebaut.

Deutschland deine Ungleicheit

Nur wenige Länder sind in Europa ungleicher als Deutschland, der größte Niedriglohnsektor hat Millionen von Menschen in die Armut getrieben und ihnen jegliche Hoffnung auf eine bessere Zukunft genommen. Wenn davon gesprochen wird, dass es Deutschland gut geht, wer ist damit gemeint? Sind es die einfachen Arbeitnehmer, die immer wieder verzichten sollen?

Der Reichtum in Deutschland wird seit zwei Jahrzehnten durch die Ausbeutung der Arbeitnehmer erzielt. Es wird Zeit, dass sie daran fair beteiligt werden, um die Spaltung der Gesellschaft zu beenden.


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