Finanz- und Wirtschaftsblog

Wie Monsanto die Wissenschaft und Gesellschaft täuscht

Nachdem im April interne Dokumente von Monsanto internationale Aufmerksamkeit erzeugten, folgt nun ein weiterer Schwall von 75 Dokumenten, die sich aus der internen Unternehmenskommunikation speisen. Die Veröffentlichung basiert auf einer Klage unter dem Freedom of Information Act und befeuert die Diskussion über die Gefahren von Roundup und den Verflechtungen Monsantos mit den Kontrollinstanzen.

Monsanto muss internen E-Mail Verkehr offenlegen

Der Stein, der die die aktuelle Entwicklung ins Rollen brachte, ist die Einstufung der WHO im Jahr 2015, dass Roundup und insbesondere der enthaltene Stoff Glyphosat vermutlich Krebserregend ist. Die Dokumente die nun ans Tageslicht befördert wurden, zeigen nicht nur eine erheblichen Verschleierungsaufwand, sondern auch den Verlust an wissenschaftlicher Objektivität durch das Unternehmen.

Die Dokumente wurden durch die Anwaltskanzlei Baum Hedlund veröffentlicht, deren Mandanten Roundup als Ursache für den bei ihnen auftretenden Blutkrebs ansehen. Dabei wird deutlich, dass Monsanto Wissenschaftler mit Beratungsposten umworben hat, kritische Studien durch Lobbyismus und Diskreditierung versucht hat zu stoppen und enge Verflechtungen mit der amerikanischen EPA (Environmental Protection Agency) aufgebaut hat.

Bruce Chassey – Im Geheimen für Monsanto

Die Beeinflussung, Diskreditierung und Verhinderung von kritischen Studien zu Glyphosat ist ein zentraler Bestandteil des Kampfes von Monsanto. So geht aus den Dokumenten hervor, dass Bruce Chassey, ein ehemaliger Professor an der Universität von Illinois, verdeckt mit Monsanto kooperiert hat.

Sein Ruf und seine Expertise als objektiver Wissenschaftler wurde genutzt, um die Unbedenklichkeit von genetisch modifizierten Saatgut und Glyphosat zu attestieren. Darüber hinaus war er aber auch ein Teil einer Gruppe von Akademikern, die gemeinsam mit Monsanto versuchten, die kritische Studie von Seralini im Fachmagazin Food and Chemical Toxicology zu unterbinden.

Die Fütterungsstudie belegte, dass Roundup resistenter Reis und Roundup selbst krebserregend sind. Aus Sicht von Monsanto war diese Studie natürlich unerwünscht, da Umsatzeinbußen und mögliche Aufhebungen von Zulassungen drohten. Um dies zu verhindern, wurde neben Bruce Chassey weitere Wissenschaftler aufgefordert, schnellstmöglich Gegenposition an den verantwortlichen Editor zu senden, was diese auch taten.

Quelle: baumhedlundlaw.com
Quelle: baumhedlundlaw

Im Gegenzug zur Loyalität von Chassey, finanzierte Monsanto einen Fonds der Universität von Illinois, der wiederum Chasseys Studien finanzierte. Aktuell ist er Mitautor der Webseite GMO Answers, die ebenfalls von Monsanto finanziert wird.

Wallace Hayce – Editor tauscht sich mit Monsanto-Mitarbeitern aus

Die Zuwendungen an Wissenschaftler endeten aber nicht mit Chassey. Der verantwortliche Editor Wallace Hayes, des zuvor genannten Fachmagazin Food and Chemical Toxicology, wurde von Monsanto als Berater engagiert. Dabei bestand seine Tätigkeit darin, ein Netzwerk aus einflussreichen Experten in den Bereichen Toxikologie, Epidemologie und anderen Wissenschaften in Südamerika aufzubauen.

Wallace Hayes - Beratervertrag - Quelle: baumhedlundlaw
Quelle: baumhedlundlaw.com

Sein Engagment für Monsanto ging aber weit über das Knüpfen von Kontakten hinaus. So gibt es Fälle, bei denen kritische Studien über Glyphosat die Gutachter in zwei Lager spaltete. Wissenschaftler, die Monsanto nahe standen, bemängelten ein angebliches Nichteinhalten von wissenschaftlichen Standards, während unabhängige Wissenschaftler keinerlei Einwände besaßen. Da die entscheidenden Stimmen bei einer Abstimmung auf Seiten von Monsanto saßen, wurde eine Publikation verhindert.

Weitere Positionen als Berater wurden auch von Larry D. Kier besetzt. Dieser hatte den Auftrag erhalten, Studien über Glyphosat zu überprüfen und Gutachten zu verfassen, sowie der Teilnahme an der Intertek Scientific & Regulatory Consultancy. Letzteres war ein Panel aus 16 Wissenschaftlern, wovon 10 direkt von Monsanto gestellt wurden und zwei ehemalige Mitarbeiter waren. Das Ergebnis ihres Berichts war, dass die kritische IARC’s Sicht auf Glyphosat diskreditiert und als nicht wissenschaftlich dargestellt werden sollte.

Larry D. Kier - Beratervertrag - Quelle: baumhedlundlaw
Quelle: baumhedlundlaw.com

Monsantos Insider bei der EPA

Neben der Beeinflussung von Wissenschaftlern und Studien, soll Monsanto auch einen Insider bei der EPA positioniert haben. Jess Rowland, der in der Pestizid-Abteilung agierte, soll eine Studie des Gesundheitsministeriums zur Karzinogenität sabotiert haben, die tatsächlich später auch aufgegeben wurde. Darüber hinaus hat er Monsanto rechtzeitig über die Einstufung von Glyphosat als krebserregend durch die IARC gewarnt, sodass Monsanto die oben beschriebene Gegenpropaganda vorbereiten konnte.

Monsanto – Kein schlechtes Gewissen, solange der Umsatz stimmt

Der Versuch Monsantos die aufgetauchten Dokument unter Verschluss zu halten ist nachvollziehbar, da sie nicht nur ein sehr schlechtes Bild auf das Unternehmen werfen, sondern auch auf den Zulassungsprozess und alle Beteiligten. Monsanto hat in den USA massiven Einfluss darauf genommen, dass ein Herbizid wie Glyphosat zugelassen wird, ohne Rücksicht auf mögliche krebserzeugende Nebenwirkungen.

Von den Manipulationen durch Monsanto sind aber nicht nur die USA betroffen, auch wir in Deutschland und Europa verwenden die Mittel von Monsanto. Das trotz WHO Warnung in Europa die Zulassungen für Glyphosat und Roundup weiter vorangetrieben wurde, deutet ebenfalls auf massive Einflussnahme hin. Inwieweit das europäische Parlament, die EU-Kommission und die Europäische Chemikalienagentur in diesem Falle unabhängig sind, wird vermutlich erst die Zukunft zeigen. Hoffentlich ist es dann nicht zu spät und irreversible Schäden sind noch nicht eingetreten.

Quelle der Daten: Baum Hedlund