Finanz- und Wirtschaftsblog

Vermögen: Wie reich ist die Kirche wirklich?

Die katholische und die evangelische Kirche haben in den letzten Jahrhunderten unermessliche Vermögen angehäuft, die nach Schätzungen des Politikwissenschaftlers Carsten Frerk, jeweils über 250 Milliarden Euro betragen sollen. Verglichen mit der privaten Wirtschaft, verfügen beide Konfessionen über eine Marktkapitalisierung, die der von Volkswagen, Daimler und BMW zusammen entspricht. Letztere gehören zu den Schwergewichten im Deutschen Aktienindex und bilden einen der wichtigsten Wirtschaftszweige in diesem Land ab.

Dass diese Reichtümer Begehrlichkeiten erwecken und zu massiven Verschwendungen führen können, ist seit dem Skandal um den ehemaligen Limburger Bischof Tebartz-van Elst bekannt. Der damit einhergehende Vertrauensverlust vieler Gläubiger zwang insbesondere die katholische Kirche zu einer Transparenzoffensive, in der die einzelnen Bistümer nach und nach ihre Finanzen in Form einer kaufmännischen Bilanz offen legten. Klar ist, die Bistümer und Landeskirchen in Deutschland schwimmen im Geld und können auf Milliarden an Vermögenswerten in Form von Grundstücken, Immobilien und Wertpapieren blicken.

So viel Transparenz wie nötig, so wenig wie möglich

Das Bistum München-Freising unter Kardinal Marx, gehört mit einem Vermögen von 4,4 Milliarden Euro zu den wohlhabendsten Bistümern in Deutschland. Ihm folgen das Bistum Paderborn mit 4,1 Milliarden Euro und das Kölner Bistum mit 3,4 Milliarden Euro. Bei allen drei Bistümern machen die drei Bilanzpositionen Grundstücke, Immobilien und Wertpapiere mehr als 92 Prozent des Gesamtvermögens aus. Wobei hier die Transparenz der Kirchen auch schon endet, denn vollständig und umfassend möchten sie die Allgemeinheit dann doch nicht über ihre Vermögen informieren.

Allein im Bistum München-Freising existieren über 7.000 Kirchenimmobilien, von denen aber nur 352 in die Bilanz aufgenommen wurden. Immobilien, die zu den 750 eigenständigen Pfarrkirchenstiftungen und Pfründestiftungen des Bistums gehören, bleiben unberücksichtigt und müssten alle einzeln ermittelt werden. Das beste Beispiel für diese Nichterfassung ist die Frauenkirche im Herzen Münchens, die inklusive Grundstück, einen dreistelligen Millionenbetrag wert sein dürfte. Sie taucht in der Bilanz aber nicht auf, da sie eine eigene Pfarrgemeinde darstellt. In Köln existiert eine ähnliche Konstellation, in der der Kölner Dom als eigene Körperschaft des öffentlichen Rechts gilt und nicht in der Bistums-Bilanz erfasst wird.

Wenn der Kölner Dom 27 Euro wert ist

Aber selbst eine Berücksichtigung dieser Immobilien würde nicht weiterhelfen, um einen objektiven und umfassenden Vermögensausweis zu schaffen. Denn Immobilien, die keiner Erzielung von Einnahmen dienen, werden in den Bilanzen mit einem Erinnerungswert von einem Euro angesetzt. Das Gleiche trifft auf Kirchen und Dome zu. Der Aachener Dom, Weltkulturerbe der UNESCO und Herberge von bedeutenden Kunstschätzen, wird mit zwei Euro bilanziert. Der Kölner Dom mit 27 Euro und der Augsburger Dom mit einem Euro. Bilanztechnisch ist das durchaus legitim, im Sinne der Transparenz und der Vermögensdarstellung scheinen die Kirchen aber der Verschwiegenheit näher zu stehen.

Staat und Gesellschaft zahlen, aber die Kirche bestimmt

Dabei hätte die Öffentlichkeit ein Anrecht auf umfassende und vollumfängliche Information, denn nicht nur Katholiken und Protestanten finanzieren die Kirche über Spenden oder die Kirchensteuer. Auch als Atheist oder Anhänger einer anderen Glaubensrichtung wird man über die Steuern an dem Schauspiel beteiligt. Ein Grund dafür ist die Enteignung der Kirchen im 18. und 19. Jahrhundert durch den Staat im Nachgang der Säkularisierung in Deutschland. Als Entschädigung wurde die Besoldung der Würdenträger durch die öffentliche Hand übernommen und bis heute fortgeführt. So kommt es, dass die Bundesländer, mit Ausnahme von Hamburg und Bremen, im vergangenen Jahr 523 Millionen Euro an Staatsleistungen aus dem Steuertopf an die Kirchen überwiesen.

Für Menschen, die nicht den beiden Konfessionen angehören, ein Unding, was bereits der Weimarer Nationalversammlung bewusst war. Der Artikel 138 der Weimarer Verfassung beauftragte die Verantwortlichen, Grundsätze aufzustellen, durch die die Staatsleistungen ein Ende finden sollten. Zu einer Beendigung der Zahlungen ist es währende der Weimarer Republik zwar nicht mehr gekommen, der Auftrag wurde aber durch Artikel 140 des Grundgesetzes übernommen und besteht bis heute fort. Das dem verfassungsmäßigen Auftrag nicht nachgekommen wird, liegt in der Sorge vor möglichen Milliardenforderungen seitens der Kirchen gegen die Bundesländer. Und so arrangiert man sich mit der Kirche, zahlt aktuell jedes Jahr 523 Millionen Euro und hat seit 1949 eine Gesamtsumme von 17 Milliarden Euro überwiesen.

Umfangreiche steuerliche Begünstigungen und Zuschüsse für die Kirchen

Bei den jährlichen 523 Millionen Euro bleibt es aber nicht. Durch die Möglichkeit, die Kirchensteuer als Sonderausgabe von der Steuer abzuziehen, sind dem Staat 2017 mehr als 3,5 Milliarden Euro entgangen, womit er die Kirchen indirekt finanziert. Neben dem Vorteil des Steuerabzugs sind die Kirchen Körperschaften des öffentlichen Rechts und müssen keine Körperschafts-, Mehrwert- oder Gewerbesteuer zahlen. Das die Kirchen ebenfalls von der Grund- und Grunderwerbssteuer befreit sind, dürfte bei der bedeutenden Anzahl an Grundstücken im Besitz der Kirche für den Staat einen weiteren Verlust im hohen dreistelligen Millionenbereich nach sich ziehen.

Kitas und Schulen – Staat zahlt und Kirche missioniert

Dieser Kritik wird von Anhängern der beiden Konfessionen gerne entgegnet, dass die beiden Kirchen große soziale Verantwortung in der Gesellschaft tragen würden, mit Diakonie und Caritas Millionen von Menschen versorgen und Schulen und Einrichtungen zur Kinderbetreuung errichten. Leider stimmt davon kaum etwas, denn den größten Anteil an den Kosten trägt die Gesellschaft selbst. Die Kirchen setzen lediglich ihr Siegel auf, zahlen einen geringen prozentualen Anteil und besitzen weitreichende Entscheidungsrechte. Allein in Deutschland stehen ein Drittel, der über 55.000 Kindertageseinrichtungen, unter direkter oder indirekter konfessioneller Trägerschaft. Dabei werden die 1,24 Millionen Kinder, die in diesen Einrichtungen ein- und ausgehen, vom Deutschen Staat mit schätzungsweise sechs Milliarden Euro bezuschusst. Somit trägt die Gesellschaft 75 Prozent der anfallenden Kosten der Einrichtungen unter konfessioneller Trägerschaft. Weitere 15 Prozent werden durch Entgelte von den Familien aufgebracht und nur zehn Prozent steuert die Kirche bei.

Trotz dieses geringen Anteils, wird den kirchlichen Trägern weitreichend freie Hand gegeben. Sie können beschließen, nur katholische oder evangelische Erzieher einzustellen, Erzieher zu kündigen, die sich scheiden lassen oder Kinder der eigenen Konfession bei der Aufnahme zu bevorzugen. Wobei letzteres ein untergeordnetes Problem darstellt, da aus Sicht konfessioneller Träger auch immer das Ziel mitschwingt, Kinder zu missionieren und zum „richtigen Glauben“ zu führen. So schrieb Wolfgang Huber für den EDK:

„[…](Es) bieten sich missionarische Chancen für die christlichen Kindertagesstätten. Indem sie ungetauften Kindern inspirierende Erlebnisse mit dem Bildungsmaterial des christlichen Glaubens ermöglichen[…].“

Der ungehinderte Zugang zu Werte- und Moralvorstellungen von Kindern, die evolutionsbedingt darauf vertrauen, dass Eltern oder Erzieher zu ihrem Wohle handeln, hat für das weitere Leben weitreichende Konsequenzen. Eine einmal übernommene Glaubensvorstellung, ist im späteren Verlauf nur schwer abzuschütteln. Über diesen Umweg versuchen die Kirchen ihren Einfluss auf Gesellschaft und Familie, aber auch ihre Position der moralischen Deutungsinstanz zu manifestieren. Beides scheint trotz immensen Aufwands in den zurückliegenden Jahrzehnten, nur mäßig erfolgsversprechend zu sein, denn immer mehr Gläubige verlassen die Kirche.

Jedes Jahr 24 Milliarden aus der Staatskasse

Dennoch wird das Muster aus den Kindertagesstätten in den Schulen weiter fortgesetzt. Im Primarbereich sind es 282 und im Sekundarbereich I + II insgesamt 885 Schulen, die in Deutschland unter konfessioneller Trägerschaft stehen. Der Unterschied zu den Kindertageseinrichtungen ist, das mit 2,75 Milliarden Euro der Staat und die Gesellschaft die Kosten vollständig übernehmen. Dazu kommen die Kosten für den Religionsunterricht, der ebenfalls vom deutschen Steuerzahler aufgebracht werden darf und schätzungsweise zwei bis drei Milliarden Euro für ganz Deutschland beträgt. Werden weitere Zuschüsse und Subventionen an die beiden großen Kirchen in Deutschland berücksichtigt, erreicht man bei konservativen Schätzungen etwa 24 Milliarden Euro als Gesamtsumme pro Jahr. Dabei sind die Zahlungen an Caritas und Diakonie, die von dem Theologen Graf auf insgesamt 45 Milliarden Euro geschätzt wurden, noch nicht berücksichtigt.

Die Kirchen in Deutschland gehören zu den vermögendsten Institutionen in diesem Land und dennoch sprechen Bischöfe und sogar der Papst davon, dass die Menschen dem Mammon nicht erliegen sollen. An dieser Stelle dürfte das Sprichwort „Wasser predigen und Wein trinken“ ganz gut passen. Ein baldiges Ende dieser Alimentier-Praxis ist ebenfalls nicht in Sicht, denn Union und SPD haben kein Interesse, sich mit den Kirchen anzulegen. Die Leidtragenden sind die Arbeitnehmer, die aufgrund einer falschen oder nicht vorhandenen Konfession ganz legal diskriminiert werden dürfen oder die Gesellschaft, die für den Großteil der Kosten aufkommen darf, während sich die Kirche als sozialer Wohltäter profiliert. Dafür das Deutschland keine Staatsreligion besitzt und nach dem Grundgesetz Staat und Religion zu trennen ist, wird die christliche Religion in diesem Land deutlich bevorzugt und hofiert.


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