Finanz- und Wirtschaftsblog

Immer mehr Wohnungslose Menschen in Deutschland

Die kalte Jahreszeit hat in Deutschland Einzug gehalten und viele Menschen bereiten sich nicht nur auf die Feste am Ende dieses Jahres vor, sondern lernen ihre Wohnung oder ihr Haus als Rückzugsort zu schätzen. Ein Ort, der im Winter vor Kälte und Dunkelheit schützt und ein Ort der Sicherheit birgt. Es gibt aber auch Menschen in diesem Land, die wohnungslos sind und keine dauerhafte Wohnung haben. Stattdessen leben sie in Unterkünften, die den Aufenthalt der Hilfesuchenden begrenzen. Die Extremform dieser Lebenssituation wäre die Obdachlosigkeit, komplett ohne Dach über den Kopf und gezwungen auf der Straße zu schlafen.

860.000 Menschen gelten als Wohnungslos

Im Jahr 2016 schätzt die BAG Wohnungslosenhilfe die Zahl der Wohnungslosen Menschen auf insgesamt 860.000 Menschen, von denen aber mit 420.000 gut die Hälfte anerkannte Flüchtlinge waren. Letztere werden zwar in den Aufnahmezentren und Heimen gedultet, sind formell aber ebenfalls Nachfrager auf dem Wohnungsmarkt ohne feste Wohnung.

Demografie der Wohnungslosen
Demografie der Wohnungslosen

Aber auch die Zahl der deutschen Wohnungslosen hat sich gegenüber 2014 um 25 Prozent erhöht. Einen stärkeren Anstieg konnte nur bei der Anzahl der Obdachlosen verzeichnet werden, die inzwischen auf 52.000 Menschen gestiegen ist und somit gegenüber 2014 ein Plus von 33 Prozent verzeichnete. Also Menschen, die ohne jede Unterkunft auf der Straße leben müssen und sich im Winter nur mit Kleidung, Decken und Schlafsäcken gegen die Minustemperaturen wehren müssen.

Anzahl Wohnungsloser
Anzahl Wohnungsloser

Politik vernachlässigt den Sozialen Wohnungsbau und die Armutsbekämpfung

Geschuldete ist diese Situation der Politik der letzten Jahre insbesondere im Bereich des sozialen Wohnungsbaus und der Armutsbekämpfung. Während die Reallöhne der unteren 20 Prozent der Erwerbstätigen nach wie vor das Niveau von 2000 unterschreiten, sind gerade in den Metropolen die Mietpreise explodiert. Inzwischen werden selbst gutsituierte Menschen der Mittelschicht aus Städten wie Hamburg, München und Berlin verdrängt.

Somit wird die Zahl der Menschen, die um bezahlbaren Wohnraum auf dem freien Markt konkurrieren, immer größer, insbesondere durch den Zuzug vieler Flüchtlinge, die inzwischen ebenfalls als Nachfrager auf dem Markt auftreten. Somit hat sich in den letzten Jahren der Wohnungsmarkt des unteren und mittleren Preissegments in großen Städten, von einem Nachfragemarkt hin zu einem Angebotsmarkt entwickelt. Die Nachfrage nach günstigem Wohnraum übersteigt das Angebot deutlich, wodurch die Preise steigen.

So stand der besonders großen Nachfragegruppe der Einpersonenhaushalte, die fast 17 Millionen Menschen umfasst, nur ein Angebot von etwa fünf Millionen Ein- bis Zweizimmerwohnungen gegenüber. Dies führte zu einem deutlichen Preisanstieg in diesem Segment des Wohnungsmarktes.

Sozialer Wohnungsbau systematisch abgebaut

Als korrektiv einer solchen Entwicklung agierte in der Vergangenheit der soziale Wohnungsbau, der dafür sorgte, dass auch in den Metropolen Deutschlands Wohnungen für einkommensschwächere Menschen vorhanden waren. Durch die finanziell angeschlagene Situation vieler Länder und Kommunen, in der Zeit zwischen 2000 und 2010, wurden Investitionen jedoch oftmals unterlassen bzw. wurde der gesamte Wohnungsbestand an Unternehmen und Investoren verkauft, um so die Finanzen zu sanieren.

Diese Wohnungen der öffentlichen Hand fehlen nun und werden durch die Zahl der Neubauten auch nicht ausgeglichen. Seit 1990 sind 60 Prozent der Sozialwohnungen vom Markt verschwunden oder aus der Bindung herausgefallen. Aktuell existieren in Deutschland noch 1,2 Millionen Sozialwohnungen und bis 2020 sollen weitere 170.000 Wohnungen wegfallen.

Bestand Sozialwohnungen
Bestand Sozialwohnungen

Kurz- und mittelfristig ist keine Besserung zu erwarten

Zwar hat der Bund weitere Mittel bis 2019 bereitgestellt, um den sozialen Wohnungsbau zu fördern, nur sind die Versäumnisse der letzten Jahrzehnte nicht kurzfristig beizukommen, sodass sich die Situation zunächst noch verschärfen wird. Um den Anstieg zu mindern müssten Milliardenprogramme aufgelegt werden, um den sozialen Wohnungsbau wieder auf die Höhe der 90er Jahre zu hieven. Dies wird nach den aktuellen Verlautbarungen aus den Sondierungsgesprächen aber eher unwahrscheinlich sein.

Es ist eher damit zu rechnen, dass die aktuellen Koalitionsparteien den bisher eingeschlagenen Weg weiterverfolgen und sich nicht aktiv zum sozialen Wohnungsbau bekennen. Dadurch werden vor allem in den Ballungszentren weiter Familien, Singles und Einkommensschwächere an den Rand der Städte gedrängt und somit vom kulturellen und sozialen Leben ausgeschlossen. Dazu kommt, dass bei einem anhaltenden Anstieg der Mietpreise die Menschen zukünftig einen höheren Anteil ihrer Einkommen für die Mieten aufbringen müssen. Dieser Teil wird in der Konsumwirtschaft fehlen.


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