Finanz- und Wirtschaftsblog

Brain-Drain in Deutschland – Hochqualifizierte wandern aus

Immer mehr Deutsche kehren ihrer Heimat den Rücken und suchen in der Ferne ihr Glück. Inzwischen leben mehr als vier Millionen Deutsche im Ausland, viele von ihnen besitzen einen Hochschulabschluss, sind jung und hervorragend ausgebildet. Die Motive für das Auswandern sind oftmals die gleichen: Bessere Karrierechancen, angenehmere Arbeitsbedingungen, ein höherer Lebensstandard und die Anerkennung für die geleistete Arbeit. Und wirklich verdenken kann man es den Menschen nicht. Die Politik hat keine Konzepte, wie sie die Gesellschaft oder Wirtschaft in Zukunft gestalten will.

Ausland ist für deutsche Fachkräfte attraktiver

Beim Breitbandausbau sind wir Schlusslicht in Europa, die Infrastruktur bröckelt vor sich hin, Flughäfen und Bahnhöfe werden nicht fertiggestellt und Deutschland wird immer mehr von einer Kultur des Verwaltens, denn einer des Gestaltens durchzogen. Da kann es keinen politischen Verantwortlichen überraschen, dass die Menschen gegebenenfalls mit den Füßen abstimmen. So haben allein im Rekordjahr 2016 mehr als 281.000 Deutsche ihre Heimat hinter sich gelassen. Das sind doppelt so viele Menschen, wie die Jahre zuvor. Wird der Zeitraum zwischen 2006 und 2016 betrachtet, sind in einem Jahrzehnt mehr als 1,7 Millionen Deutsche ausgewandert. Zu den beliebtesten Zielländern zählten die Schweiz, die USA und Österreich.

Gerade die Schweiz und Österreich sind bei vielen Deutschen besonders beliebt, da die sprachlichen und kulturellen Barrieren niedrig sind. Dazu kommen die gute öffentliche Daseinsversorgung, die Bezahlung und das oftmals bessere Betriebsklima. Die letzten beiden Punkte sind insbesondere bei Pflegekräften immer häufiger entscheidungsrelevant, da viele von ihnen aus dem deutschen Pflegesystem fliehen und ihre Heimat in der Schweiz suchen. Dort sind Ausbeutung der Pflegekräfte und die Gefährdung der Patientensicherheit durch überforderte und unterbesetzte Pflegestationen nicht an der Tagesordnung. Die Verhältnisse in der Schweiz scheinen so gut zu sein, dass selbst Kopfprämien und Einmalzahlungen die Pflegekräfte nicht zu einer Rückkehr überreden können.

Rumänen machen den Hauptbestandteil der Armutsmigration aus

Verschärft wird die Situation in Deutschland durch die Unattraktivität des hiesigen Arbeitsmarktes, der für Talente und hochqualifizierte Arbeitnehmer keine Alternative zu anderen Ländern darstellt. Diese bezahlen besser, haben geringere Lohnabzüge bzw. bessere staatliche Leistungen und politische Parteien, die die Zukunft gestalten wollen. Damit das Lohnniveau in Deutschland nicht zu sehr steigt, entstand das Märchen vom Fachkräftemangel. Glücklicherweise gehen die Interessen der Europäischen Union und der Wirtschaft oftmals d’accord, sodass mit der EU-Osterweiterung die Unternehmen einen Schatz an billigen Arbeitskräften heben konnten. Während die Migration aus den EU-15 Ländern nach Deutschland sich bis 2008 halbierte und danach durch die Finanzkrise nur moderat anstieg, explodierten die Zuwanderungszahlen aus Polen, Rumänien und Bulgarien.

Selbst unter dem Eindruck der Flüchtlingskrise, belegten die ehemaligen Ostblock-Staaten die vorderen Ränge der Zugezogenen. Viele dieser Menschen flohen vor bitterer Armut und Arbeitslosigkeit und suchten eine Anstellung in Deutschland oder beantragten Asyl, wenngleich ihre Chance auf Anerkennung gegen Null tendiert. Dennoch ist der temporäre Aufenthalt in Deutschland und die einhergehende Versorgung besser, als das, was ihnen in ihrer Heimat geboten wird. Für die deutsche Gesellschaft und die Sozialsysteme stellen sie hingegen eine massive Belastung dar. Einerseits handelt es sich um billige Arbeitnehmer, die aufgrund der Sprachbarrieren kaum auf ihre Arbeitnehmerrechte beharren können und somit ausgebeutet werden, andererseits gefährden sie die Arbeitsplätze von regulären Angestellten.

Dazu kommen die Kosten für etwaige Asylanträge, die Verpflegung- und Unterbringungskosten und die Blockade von Kapazitäten für wirklich Bedürftige. Letztere umfassen Flüchtlinge aus Kriegsgebieten wie Syrien, Afghanistan oder dem Irak. Sie stellen die Hauptgruppe der Flüchtlinge, die in Deutschland Schutz suchen. Etwa 900.000 Antragsstellern wurde dauerhafter oder temporärer Schutz gewährt, rund 400.000 Menschen warten noch auf eine Entscheidung und 90.000 werden geduldet. Auch an dieser Stelle wurde der Gesellschaft Sand in die Augen gestreut. Von „Wir schaffen das“, „Flüchtlinge sind Fachkräfte“ und „Was Flüchtlinge uns bringen, ist wertvoller als Gold“ ist im Jahr 2018 nicht viel mehr als Resignation übrig geblieben.

Unter den Flüchtlingen finden sich nur wenige Fachkräfte und Experten

Kommunen und Ehrenamtliche werden mit Problemen alleine gelassen, die Politik entzieht sich der Verantwortung und den Reden der Wirtschaft, über den Bedarf an Flüchtlingen zur Bekämpfung des Fachkräftemangels, folgten keine Taten. Vor den heutigen Verwerfungen in Form einer rechten Partei im Bundestag und der Radikalisierung von Teilen der Bevölkerung wurde gewarnt und man hätte rechtzeitig gegensteuern können. Mit Ausnahme von Syrien und dem Iran haben die meisten Herkunftsländer der Flüchtlinge kein ausreichendes Bildungswesen, das mit der westlichen Welt zu vergleichen wäre. Im Gegenteil die meisten Flüchtlinge aus dem Irak, aus Afghanistan, Eritrea oder Somalia verfügen mehrheitlich über Kenntnisse, die das Grundschulniveau nicht übersteigen. Zwei Drittel der Flüchtlinge verfügen über kein Bildungsniveau oberhalb der Mittelschule. Setzt man die Maßstäbe in Deutschland an, liegt das Niveau sogar unterhalb einer Hauptschule. Dazu kommen Sprachbarrieren, Kriegs- und Fluchttraumata. Diese Menschen werden nicht in nennenswerter Anzahl verantwortungsvolle Positionen übernehmen.

Bildungshintergrund Flüchtlinge
Bildungshintergrund Flüchtlinge

Diese Entwicklung kann man bereits heute in den Daten der Arbeitsagentur betrachten. Arbeitssuchende im Kontext von Fluchtmigration werden nur zu 3,6 Prozent als Experten eingestuft. Zwei Drittel haben maximal das Anforderungsniveau eines Helfers und bei 15 Prozent gibt es keine Angaben. Der Rest kann durch Ausbildung das Niveau einer Fachkraft erlangen. Da muss man auch ehrlich sagen, dass weite Teile der Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlinge dauerhaft auf staatliche Transferleistungen angewiesen sind, sofern sie nicht in ihre Heimat zurückkehren können. Mittel- und langfristig ist davon auszugehen, dass gerade bei der ärmeren Bevölkerung in diesem Land ein zunehmender Verteilungskampf um die knappen Ressourcen entstehen wird. Noch überdeckt die gute wirtschaftliche Entwicklung viele Probleme, solange bis die Zinsen und die Staatsverschuldung anziehen und in Folge dessen gespart werden muss. Dann wird vermutlich erneut nach einem Sündenbock gesucht, der an der gesamten Misere keine Schuld trägt, aber zur falschen Zeit am falschen Ort war.


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