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Wer hat die neue griechische Staatsanleihe gekauft?

Nach drei Jahren Abstinenz am Kapitalmarkt hat Griechenland die Rückkehr geschafft. Eine drei Milliarden Euro umfassende Anleihe, mit einer Laufzeit von 5 Jahren und einer Rendite von 4,625 Prozent, stieß auf reges Interesse bei den Investoren.

Die griechische Regierung unter Alexis Tsipras und die Investoren an den Märkten scheinen erleichtert zu sein. Immerhin kehrt das Land, das als Epizentrum der Finanz- und Staatsschuldenkrise der Europäischen Union galt, an die Kapitalmärkte zurück.

Die Hoffnung auf das Ende der Troika-Politik

Mit dieser Rückkehr soll auch ein Kapitel zu Ende gehen, dass für viele Griechen eine enorme Demütigung darstellt: Das Ende der Bevormundung durch die Troika. Deren Hilfsprogramm ohne Verlängerung im August 2018 endet. Ab diesem Zeitpunkt hätte Griechenland zwar seine Unabhängigkeit wiedererlangt, wäre für die Refinanzierung aber auch vollständig auf die Kapitalmärkte angewiesen.

Daher wird die aktuelle Emission auch von vielen als Testlauf angesehen. Einem Testlauf, dem weitere Emissionen folgen sollen. Die Frage ist, ob Investoren bei veränderten Marktbedingungen und steigenden Zinsen weiterhin ein reges Interesse an griechischen Staatsanleihen besitzen. Wichtig ist dabei, dass neben Ablösung alter Anleihen auch frisches Geld durch neue Investoren an den griechischen Staat fließt.

Vom Regen in die Traufe mit Hedgefonds und Banken

Letztere investierten in der Auktion Gelder im Gesamtumfang von 1,425 Milliarden Euro. Dies entsprach fast 48 Prozent, wobei die Investoren mehrheitlich ihren Sitz in den USA , Großbritannien und Irland besaßen. Alles wichtige Destinationen für Hedgefonds und Publikumsfonds, die 82 Prozent der Investoren des frischen Geldes ausmachten.

Die andere Hälfte wurde durch Investoren erworben, die auslaufende Anleihen durch neue ersetzten. Bei diesen handelte es sich zu drei Viertel um griechische Banken. Weitere 21 Prozent waren Hedgefonds und Publikumsfonds.

Neue Gelder und alte Probleme

Wenngleich die Auktion gut über die Bühne gegangen ist und das Interesse an der Anleihe groß war, ist es fraglich, ob dies weiterhin so bleibt. Die fundamentalen Probleme Griechenlands wurden nicht behoben. Gerade die hohe Staatsverschuldung lastet auf den Schultern der Menschen.

Zwar gelang es den europäischen Institutionen während der Krise sich Zeit zu kaufen, aber zu welchem Preis? Die Ausfallrisiken wurden von den privaten Investoren auf staatliche Institutionen übertragen und müssen in den nächsten Jahrzehnten durch Griechenland getilgt werden. Griechenland wird bis 2056 jedes Jahr einen durchschnittlichen Refinanzierungsbedarf von acht Milliarden Euro aufweisen ohne Berücksichtigung etwaiger Neuverschuldung. Ob Griechenland das wirklich schafft? Bleibt abzuwarten, aber Zweifel sind durchaus angebracht.

Quelle: The Wall Street Journal von Charles Forelle, Pat Minczeski und Elliot Bentley

Die Austerität, die vor allem von deutscher Seite aus gefordert wurde, hat das Land sozial und wirtschaftlich in den Ruin getrieben. Ob und wann sich Griechenland davon erholt steht in den Sternen. Eines ist aber sicher, solange Griechenland ein Großteil der Schulden nicht erlassen wird, wird sich nichts ändern.

Der Zinsdienst, der durch den Staat geleistet werden muss, fehlt bei wichtigen Investitionen in Infrastruktur, Bildung und den Arbeitsmarkt. Die Ineffizienz und Korruption im Staatswesen wurden bis heute nicht nachhaltig angegangen bzw. abgestellt.

Die Zukunft wirkt düster

Das Einzige, was durchgesetzt wurde, waren Kürzungen im Sozial- und Gesundheitswesen sowie bei den Löhnen und Renten. Folglich brachen der Konsum und die Binnenkonjunktur ein. Diejenigen, die eine gute Ausbildungen oder ein Studium genossen, sahen in ihrer Heimat kaum noch eine Zukunftsperspektive und wanderten aus. Man kann nur hoffen, dass es irgendwann in Griechenland mutige Politiker gibt, die den Schritt des Schuldenschnitts gehen.


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