Finanz- und Wirtschaftsblog

USA drohen in eine Schulden- und Zinsspirale abzudriften

Die USA gelten seit jeher zu den größten Defizitländern auf diesem Planeten. Daran ändert auch die Präsidentschaft von Donald Trump nichts, der durch die zunehmende Militarisierung bei gleichzeitigen Steuersenkungen das Defizit eher weiter ausbauen wird. Bereits heute muss die USA 310 Milliarden US-Dollar oder 7,4 Prozent des gesamten Haushaltbudgets für Zinszahlungen aufbringen. Zukünftig werden diese Zahlungen drastisch steigen, da weiter steigende Zinsen zu erwarten sind. Berücksichtigt man die bereits beschlossenen Steuersenkungen und die daraus resultierenden Mindereinnahmen, dann drohen den USA massivst defizitäre Budgets und ein weiterer Anstieg bei der Staatsverschuldung.

Verschuldung der USA steigt weiter

Letztere beträgt aktuell mehr als 21 Billionen US-Dollar und soll in den nächsten zehn Jahren auf über 33 Billionen US-Dollar ansteigen. Resultat dieser Verschuldungsorgien ist nicht nur eine zunehmende Abhängigkeit von den Gläubigern, jeder zukünftige Präsident darf sich bereits heute auf ungemütliche Budgetstreitigkeiten und Shut-Downs der Administration einstellen. Für die Gesellschaft bedeutet dies in aller Regelmäßigkeit Kürzungen bei staatlichen Einrichtungen und der Daseinsvorsorge. Die deutschen Kommunen sind schon heute in einem desolaten Zustand aufgrund von Überschuldung, geringen Steuereinnahmen und verpassten Strukturwandel. In den USA dürfte sich dies schnell auf nationaler Ebene ausdehnen.

Dabei ist der reine Schuldenstand nicht so problematisch, sondern die Zinszahlungen und der Zinssatz. Diese entziehen real den anderen Ausgabebereichen Geld und transferieren es an die Gläubiger. Bis 2028 sollen sich die Zinszahlungen auf über 760 Milliarden mehr als verdoppeln und dürften dann sogar das Militärbudget übertreffen. Vor allem die deutlich steigenden Zinssätze in der jüngsten Vergangenheit haben einen großen Anteil an den gestiegenen Ausgaben. Betrachtet man den Zeitraum zwischen Ende 2008 und Beginn 2015 schwanken die monatlichen Ausgaben der USA auf einem relativ stabilen Niveau. Eine Zeit, in der die FED nahezu alle Staatsanleihen aufkaufte und gleichzeitig die Zinsen niedrig hielt. Mit Einsetzen der Zinswende und dem Zurückfahren des Anleihekaufprogramms fingen die Ausgaben erneut an zu steigen, ebenso wie die Defizite.

Zwar wurden die größten Defizite unter Barack Obama erzielt, dessen Präsidentschaft fiel aber in einer wirtschaftlich turbulente Zeit, mit massiven staatlichen Interventionen zur Stützung der amerikanischen Wirtschaft. Seit dem Höhepunkt in 2009 mit einem Defizit von fast 1,5 Billionen US-Dollar sank ebendieses bis 2015 auf 485 Milliarden US-Dollar. Seitdem erlebt die USA einen erneuten Anstieg und dürfte dieses Jahr mit 832 Milliarden US-Dollar die amerikanische Verschuldung weiter ausbauen. Wie der völlig außer Kontrolle geratene Haushalt halbwegs in geordnete Bahnen gebracht werden kann, ist aktuell noch nicht abzusehen. Die Folgen einer unkontrollierten Ausweitung der Schulden könnte den USA und ihren Gläubigern aber langfristig gefährlich werden.

Was würde passieren, wenn China große Teile ihrer Dollarbestände auf den Markt wirft und somit nicht nur die US-Währung schwächt, sondern im gleichen Maße die Zinsen explodieren lässt? Russland, der Iran und China wollen bereits heute ihre Rohstofftransaktionen nicht mehr in US-Dollar abwickeln und schaffen somit eine Konkurrenz zur ehemaligen Leitwährung. Durch die hohe Verschuldung, massive Ausgaben für Militär und Militäreinsätze begibt sich die USA zunehmend in eine gefährliche Abwärtsspirale und leidet unter deutlichen Macht- und Bedeutungsverlust in einer multipolaren Welt. Völlig außen vor ist eine mögliche Wirtschaftskrise, die alle bisherigen Prognosen und Annahmen über den Haufen werfen würde.

Auswirkungen auf Europa

Aber auch für Europa birgt der Zinsanstieg in den USA deutliches Risikopotenzial. Durch die attraktivere Anlagemöglichkeiten bei den Anleihen wird Kapital aus Europa abgezogen und umgeschichtet, sodass aktuell steigende Zinsen in Europa beobachtet werden können. Dazu kommt, dass die EZB ihre Ankaufprogramme zurückfährt, wenngleich die Leitzinsen weiterhin niedrig bleiben. Dennoch sind Zinsanstiege für Länder wie Italien, Spanien oder Griechenland nicht ungefährlich, da ihre strukturellen Probleme nicht behoben wurden. Nach wie vor leiden die Länder unter geringer Produktivität, schwacher Industrie und stark ausgebautem Dienstleistungssektor mit geringen Löhnen. Dazu kommt die hohe Staatsverschuldung und Arbeitslosigkeit. Bisher verdeckte die EZB die Schwächen dieser Länder, da sie sich deutlich unterhalb des Zinsatzes des freien Marktes verschulden konnten. Bricht diese Finanzierungsquelle weg, treten die Probleme erneut offen zu Tage.

Somit hat die Entwicklung der USA und ihrer Zinsen weitreichende Konsequenzen. Steigen die Zinsen in den USA, werden die restlichen Industrieländer nachziehen. Nicht unbedingt freiwillig, nur wird das abziehende Kapital eben dies erzwingen. Steigende Zinsen bedeuten aber gleichzeit höhere Defizite, geringere Mittel für andere Bereiche und höhere Schulden. Eine Abwärtsspirale, die ganze Länder bereits in den Ruin getrieben hat. Dazu kommt, dass bereits heute Anzeichen für eine weitere Finanzkrise existieren. Die Studentendarlehen sind für viele kaum noch zu bedienen, Kreditkartenschulden steigen und im Sub-Prime-Automarkt herrscht auch Panik. Dazu die militärischen Konflikte und Krisenherde auf der Welt, all das ergibt einen unschönen Mix, der das Fundament für die nächste große Finanzkrise bilden könnte.


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