Finanz- und Wirtschaftsblog

US-Studienkredite – Auslöser einer neuen Finanzkrise?

Kurz bevor im Jahr 2007 die Subprime-Kredite die größte Finanzkrise in der Nachkriegszeit auslösten, erreichte ihr Volumen 1,3 Billionen Dollar. Die Geschichte nahm dahingehend ihren Lauf, dass weltweit die Finanzmärkte kollabierten und nur durch massive Rettungsmaßnahmen seitens der Staaten Schlimmeres abgewendet werden konnte.

Verfierfachung der Studienkredite seit 2003

Heute befinden wir uns an einem ähnlichen Punkt, nur das dieses Mal nicht Hypotheken und ihre Verbriefungen im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen, sondern Studienkredite in den USA. Diese Kredite, die die amerikanischen Studenten zunehmend belasten, sind seit 2003 um 457 Prozent auf heute 1,34 Billionen Dollar gestiegen. Und ein Ende scheint vorerst nicht in Sicht.

Im Gegenteil: Nach den Hypothekenkrediten folgen Studienkredite bei den privaten Schulden auf dem zweiten Platz. Damit haben sie Autokredite, Kreditkartenschulden und Überziehungskredite bereits übertreffen und machen heute 10 Prozent aller Privatschulden aus.

Diese Entwicklung kommt aber nicht von ungefähr. Während in Deutschland Universitäten und Fachhochschulen zu großen Teilen durch die Gesellschaft finanziert werden, sind amerikanische Universitäten stärker auf sich allein gestellt. Um die Lücke zu schließen, sind sie auf Spenden, Drittmittel und auf entsprechende Studiengebühren angewiesen, wobei letztere wiederum von Studenten aufgebracht werden müssen.

Niedriglohnjobs und hohe Schulden lassen die Ausfallraten steigen

Diese müssen mehrere tausend bis hin zu mehreren zehntausend Dollar aufbringen. Ohne lukrative Jobs oder reiche Eltern sind Studenten daher zunehmend gezwungen, sich für einen Universitätsabschluss zu verschulden. Und das in einer Größenordnung, in der viele Menschen in Deutschland bereits als überschuldet gelten würden.

Aufteilung nach der Höhe der Schulden

Daher wachsen nicht nur die Schulden, sondern auch die Anzahl an Schuldnern, die inzwischen die Marke von 45 Millionen übertroffen haben. Ein sehr viel ernsteres Problem stellen aber die zunehmenden Ausfallquoten dar. Während sich die Kredite, die seit 30 Tagen in Verzug sind, über die Jahre hinweg bei zehn Prozent eingependelt haben, steigt die Quote der Kredite mit 90 Tagen und mehr in Verzug deutlich an.

2003 lag diese Quote noch bei sechs Prozent, inzwischen ist sie bei elf Prozent angelangt. Zur Folge hat das, das im ersten Quartal dieses Jahres mehr als 134 Milliarden Dollar seit 30 Tagen im Verzug sind. 148 Milliarden befinden sich sogar schon seit mehr als 90 Tagen im Verzug. Ob diese Schulden tatsächlich wieder bedient oder jemals zurückbezahlt werden, ist fraglich.

Denn die USA hat sich von der Finanzkrise 2007 bis heute nicht vollständig erholt. Sicherlich deuten die Indikatoren auf eine Erholung und Stärkung hin, diese ist aber – ähnlich wie in Deutschland – durch statistische Tricks erreicht worden. Seit 2007 sind zunehmend Jobs im Niedriglohnsektor entstanden, während gutbezahlte Industriejobs weiter abgebaut wurden.

Viele Studenten finden nach ihrem Abschluss keinen Job, der es ihnen ermöglicht, schnell und effizient die Schuldenlast der Studienkredite zu reduzieren. Die Auswirkungen betreffen dabei aber nicht nur die Studenten selbst. Durch den Schuldendienst müssen junge Absolventen immer mehr Verzicht ausüben, können keine Familien gründen, Häuser kaufen oder in die Zukunft investieren. Das schadet letzten Endes der gesamten Wirtschaft, da die konsumabhängige amerikanische Gesellschaft ihre Produkte nicht mehr absetzen kann.

Eine neue Finanzkrise durch Studienkredite erscheint unwahrscheinlich

Aber sind die Studienkredite nun die neue Sub-Prime Blase? Vermutlich nicht, aber mit Prognosen ist das immer so eine Sache. Ihre Treffergenauigkeit bei Finanzthemen liegt zumeist bei 50 Prozent. Dennoch spricht einiges dagegen, dass die nächste große Krise durch Studienkredite ausgelöst wird.

  • Einer der Hauptkreditgeber ist der Staat und nicht private Banken – Kredite können gestreckt oder auf anderen Wegen eingezogen werden
  • Studienkredite werden nicht verbrieft. Während 2007 die große Anzahl an Verbriefungen und Derivaten die Märkte hat kollabieren lassen, ist dies hier nicht gegeben
  • Die Kredite sind auf die USA beschränkt und werden nicht global gehandelt – so sinkt die Ansteckungsgefahr

Die Gefahr für das weltweite Finanzsystem ist daher überschaubar, wenngleich es nicht unbedeutend ist. Dennoch sollte die US-Administration langfristig gegensteuern und auf die Bundesstaaten einwirken, ihr föderales Bildungssystem und dessen Finanzierung zu überdenken. Europa mag für viele Amerikaner der pure Sozialismus sein, dennoch scheinen wir nicht alles falsch gemacht zu haben.


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