Finanz- und Wirtschaftsblog

Subprime Krise bei amerikanischen Autokrediten

Vor zehn Jahre ließen Subprime Hypotheken nicht nur den US-amerikanischen Häusermarkt einfrieren, sondern führten das globale Finanzsystem an den Rand des Abgrunds. Die Folgen können wir bis heute bestaunen: Millionen von Menschen haben gut bezahlte Vollzeitjobs verloren, die im Nachgang der Krise durch Arbeitsplätze im Niedriglohnsektor ersetzt wurden. Familien verloren ihr Dach über den Kopf und oftmals auch das soziale Netz, das sie sich über Jahre aufgebaut haben. In Europa sieht die Situation in den südlichen Ländern ganz ähnlich aus. Durch die Forderungen nach Austerität wurden bei den Sozialsystemen und bei den Schwächsten gespart, während die Verursacher der Krise fein raus waren.

1,2 Billionen an Autokrediten

Und wofür das alles? Erneut stehen viele Amerikaner vor einem Scherbenhaufen, der auf Subprime-Darlehen aufbaut. Dieses Mal handelt es sich aber nicht um den Häusermarkt sondern um den US-amerikanischen Automarkt, der 2016 nach China mit über 17 Millionen Neuzulassungen auf dem zweiten Platz rangiert. Diese Spitzenposition wurde in den USA vor allem durch eine Ausweitung der privaten Schulden erzielt, bei denen Autokredite inzwischen 9,4 Prozent der Gesamtschuld ausmachen und so einen dritten Platz nach Hypotheken und Studentendarlehen einnehmen. Problematisch wird es aber erst an dem Punkt, an dem von den 1,2 Billionen Dollar an Autokrediten 23 Prozent dem Bereich der Subprimes zuzurechnen sind.

Da stellt sich durchaus die Frage, ob Banken, Hersteller und Konsumenten nichts aus der vergangenen Krise gelernt haben. Wobei es für Kritiker leicht ist, aus ihrer Position heraus zu argumentieren. Für viele Menschen ist das Auto in den USA kein reines Statussymbol, sondern Zugang zu Mobilität. Öffentliche und effiziente Transportmittel, sind in den USA rar gesät. Verliert man sein Auto, so kann schnell der Jobverlust folgen und das Abrutschen in die bittere Armut. Daher ist es auch nicht überraschend, dass viele Bürger zuerst die Rechnungen für das Auto zahlen, denn zur Not kann man darin schlafen.

Ausfallraten und Zahlungsverzüge mehren sich

Dennoch steigt der Anteil an Autokrediten, die 90 Tage oder mehr in Verzug sind, deutlich an und erreichte im zweiten Quartal 2017 einen Wert von 3,9 Prozent. Fächert man die Daten anhand verschiedener Bonitätsklassen und der Einteilung in Banken- und Nichtbankensektor auf, wird das Bild noch deutlicher. Bei den Subprime Darlehensnehmern können vor allem im Bereich des Nichtbankensektors eine Zunahme an Autokrediten in Verzug beobachtet werden. Inzwischen wurde sogar ein Niveau erreicht, dass mit einem Prozentpunkt nur noch knapp unter dem Niveau der Finanzkrise liegt.

Durch lange Laufzeiten und hohe Zinsen in die Schuldenfalle

Verwundern sollte dies aber niemanden, denn in den USA wird es immer leichter, an entsprechende Kredite zu kommen, da die Hersteller und Verkäufer alles daran setzen, ihren Wachstumspfad nicht zu verlassen. So werden die Standards immer weiter gesenkt und Menschen gelangen an Autos, die sie sich niemals hätten leisten können. Durch die schlechte Bonität sind viele Menschen jedoch dazu gezwungen, die Laufzeit ihrer Darlehen möglichst weit zu strecken, um die monatlich anfallenden Raten zu senken und schultern zu können. Dies führt dazu, dass viel zu viel für ein Auto bezahlt wird und der Zeitpunkt, an dem der Restwert des Autos den Darlehensbetrag übersteigt, immer weiter in die Zukunft verschoben wird.

Durchschnittliche Laufzeit und Zinssatz
Durchschnittliche Laufzeit und Zinssatz

Sollten vor diesem Zeitpunkt die Zahlungen in Verzug geraten, reicht der Restwert nicht mehr aus, um den restlichen Darlehensbetrag auszugleichen. Das Auto wird entsprechend gepfändet und die Menschen stehen mit Schulden zu horrenden Zinssätzen dar, inklusive einem Ausschluss von der Mobilität. Und da die Preise für Gebrauchtwagen in den letzten zwei Jahren deutlich gesunken sind, fällt ihr Restwert gegenüber dem Darlehensbetrag insbesondere in den ersten Jahren extrem ab. Gleichzeitig kann sich das Geschäft für den Darlehensgeber rechnen, denn das eingezogene Auto kann er erneut an Kunden mit schlechter Bonität vergeben. So kann es vorkommen, dass ein Auto innerhalb seiner Lebenszeit zwanzig und mehr Besitzer aufweist, die über Jahre hinweg Zinsen und Schulden abarbeiten müssen.

Parallelen zur Finanzkrise aber mit begrenztem Ausmaß

Und weil das alles noch nicht problematisch genug ist, werden die Autokredite gebündelt, verbrieft und an Investoren weitergegeben. Somit haben wir den identischen Werdegang, wie wir ihn bereits zu Zeiten des Häusermarktes hatten. Damals machten Subprime Darlehen 15 Prozent des gesamten Marktes aus und führten die USA in die heute bekannte Krise. Bei den Autokrediten sind wir bereits über der Marke von 15 Prozent und beobachten gleichzeitig steigende Ausfallraten und Zahlungsverzüge. Dennoch ist ein ähnliches Phänomen, wie 2007, nicht zu erwarten, denn auf der einen Seite ist der Markt für Autokredite mit 1,21 Billionen US-Dollar sehr viel kleiner, auf der anderen Seite handelt es sich bei Autos um mobile Waren. Sie können innerhalb der USA transportiert werden oder auch in den Export gehen, sollten sie nicht mehr absetzbar sein.

Nichtsdestotrotz könnte ein Platzen der Blase für die US-Wirtschaft empfindliche Folgen haben und somit auch weltwirtschaftliche Auswirkungen. Durch den hohen Verschuldungsgrad der privaten Haushalte und den in der Zukunft anstehenden Kürzungen des Staates bei den Sozialleistungen, verliert die USA immer mehr an Handlungsspielraum, wenn große Teile der Subprime Kredite ausfallen. Bei Ausfallraten von vier Prozent und steigend, sprechen wir von einem Volumen das 48 Milliarden US-Dollar im Jahr übersteigt. Und davon machen die Subprime-Darlehen mit 23 Milliarden US-Dollar fast die Hälfte aus. Gegenüber dem dritten Quartal 2016 haben die Ausfallraten im Subprime Bereich um zwei Milliarden zugelegt und ein Ende ist nicht in Sicht.

Die Folgen wären erneut teure Rettungspakete durch den Staat, ein Einbruch der Binnennachfrage, da die Menschen weniger Geld zur Verfügung haben und somit auch eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums, bis hin zu einer Rezession. Zwar dürfte die Krise lokal auf die USA begrenzt sein, dennoch gehört sie zu den bedeutendsten Märkten auf diesem Planeten. Darüber hinaus sollte man nicht vergessen, dass es mit den Studentendarlehen ebenfalls einen in Schieflage geratenen Darlehensmarkt gibt, der zusammen mit den Autokrediten einen Umfang von 2,57 Billionen US-Dollar ausmacht. Auch wenn mit Trump jemand an der Macht ist, der dem Kredo der Deregulierung folgt, sollte sich die USA fragen, ob sie in Zukunft aus den Fehlern lernen will oder von einer Krise in die nächste taumelt.


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