Finanz- und Wirtschaftsblog

Kursverluste an den Börsen – Korrektur oder das Platzen einer Blase?

Momentan sind die weltweiten Kapital- und Finanzmärkte in heller Aufregung und Analysten schwanken bei der aktuellen Interpretation der Kurseinbrüche zwischen einer notwendigen Korrektur und dem Platzen einer globalen Blase. Der Dax hat seit dem 23. Januar mehr als acht Prozent an Wert verloren und folgt somit den Entwicklungen an der Wall Street oder der Börse in Tokio. Aber auch die Schwellenländer bleiben von der aktuellen Abwärtsbewegung nicht verschont und verzeichnen deutliche Verluste bei Aktien und Anleihen.

FED leitet die Zinswende ein

Ob es am Ende tatsächlich zu einem globalen Börsenbeben und dem Platzen der Blase kommt oder es nur bei einer lang erwarteten Kurskorrektur bleibt, muss die Zukunft zeigen. Dennoch ist zu beobachten, dass viele Anleger und Investoren in Panik verfallen, da sie ein Ende des billigen Geldes fürchten. Wie Abhängige, die einen kalten Entzug durchmachen, geraten Investoren in einen regelrechten Schock. Seit zehn Jahren leben sie in einer Welt des billigen Geldes, in dem Notenbanken die Märkte fluten, die Assetpreise in die Höhe trieben und eine Jahre andauernden Boom generierten.

Die US-amerikanische Notenbank war die erste, die den Geldhahn langsam zudrehte und ihre Leitzinsen erhöhte. Die EZB hat zwar noch keine Erhöhung der Leitzinsen vollzogen, ihr Ankaufprogramm aber deutlich reduziert, was auf dem Anleihemarkt einen ganz ähnlichen Effekt verursachte. In den wichtigsten Wirtschaftsnationen – mit Ausnahme von Japan – stiegen die Zinsen auf 10-jährige Anleihen im Schnitt um einen Prozentpunkt. Dies macht einerseits Anleihen wieder bedeutend attraktiver, verteuert gleichzeitig aber auch die Refinanzierungsmöglichkeiten der betroffenen Staaten und Unternehmen. In den USA ist dies besonders problematisch, da durch die Steuerreform unter Trump dem amerikansichen Staat jedes Jahr Milliarden an Einnahmen fehlen werden. Um den horrenden Haushalt finanzieren zu können, muss an anderer Steller gespart oder in entsprechender Höhe Schulden aufgenommen werden, die Zinskosten verursachen und eine Schuldenspirale in Gang setzen.

Milliarden-Entlastungen durch niedrige Zinsen in Deutschland

In Deutschland ist dies nicht viel anders. Durch das billige Geld der EZB vermied der deutsche Staat seit 2008 Zinsaufwendungen in eine Umfang von ca. 300 Milliarden Euro. Diese Einsparungen waren der Hauptgrund für den ausgeglichenen Haushalt des Finanzminister, dessen Amt zukünftig von Scholz aus der SPD besetzt wird. Dieser Zug könnte durchaus ein Indiz für die strategische Weitsicht der Kanzlerin sein, denn durch die Zinswende ist davon auszugehen, dass der Haushalt mittelfristig einen deutlichen Verlust ausweist, den man dann der SPD und ihrem „Unvermögen“ anlasten kann. Dass jahrelang durch die wechselnden Regierungen unter Merkel Infrastruktur und öffentliche Daseinsvorsorge auf Verschleiß gefahren wurde, dürfte die Situation noch weiter verschärfen.

Zusätzlich dürften steigende Zinsen in Deutschland recht schnell die Stimmung in Politik, in der Wirtschaft und an der Börse dämpfen. Sie verteuern nicht nur die auf Schulden basierende Haushaltsführung, auch kreditfinanzierte Investitionen und die Zinsbelastung der Unternehmen werden zukünftig wieder eine gewichtete Rolle bei den Bilanzen spielen. Dazu kommen die steigenden Kosten der Refinanzierung für bereits eingegangene Verbindlichkeiten, die sowohl bei Banken, als auch bei Unternehmen in der Niedrigzinsphase signifikant angestiegen sind. So ist das Volumen an Verbindlichkeiten der Nicht-Banken gegenüber dem Tief in 2009 um 46 Prozent auf 6.068 Milliarden Euro angestiegen. Im Bankensektor sind im gleichen Zeitraum die Verbindlichkeiten um 16 Porzent auf 14.713 Milliarden gestiegen. Die immensen Außenstände, die bereits bei der vergangenen Finanzkrise zur Verschärfung der Situation geführt haben, sind heute noch höher und dürften nicht zur Entspannung der aktuellen Situation beitragen.

Schuldenentwicklung Banken und Unternehmen
Schuldenentwicklung Banken und Unternehmen

Das Finanzsystem ist fragiler als in der Vergangenheit

Dazu tragen auch die Entwicklungen in der Vergangenheit nicht bei, wenn man den Kursindex des Dax ins Verhältnis zur nominalen Entwicklungs des BIPs setzt. Bei jeder vorangegangen Krise an der Börse hat sich der Index signifikant von der Entwicklung der Realwirtschaft abgekoppelt, bis eine entsprechende Korrektur einsetzte und den Kurs auf das Wachstumsniveau des BIPs zurückführte. Sollte uns aktuell eine ähnliche Entwicklung bevorstehen, dann ist davon auszugehen, dass Kurse von 8.000 Punkten beim Dax nicht auszuschließen sind.

DAX und BIP
DAX und BIP

Eine weitere Problematik besteht in einem schnellen Anziehen der Anleihezinsen in Europa oder den USA. Da die Kurse von Anleihen fallen, wenn die Zinsen steigen und vice versa, könnten Investoren versuchen, die entstehenden Verluste durch einen Abverkauf zu vermeiden. Wenn dieser Logik sehr viele Investoren folgen, könnten die zu zahlenden Renditen auf Staatsanleihen explodieren und einen erneuten Finanzschock auslösen. Der gesamte Anleihemarkt würde regelrecht kollabieren und eine weltweite Panik auslösen.

Ob die Zentralbanken dann noch reagieren können, dürfte bezweifelt werden. Bereits heute führen die Markteingriffe nicht zu den gewünschten Ergebnissen. Im Gegenteil. Durch die ultralockere Geldpolitik, haben sie das gesamte Finanzsystem noch instabiler gemacht und die Fallhöhe sukzessive erhöht. Es kommt zu immer stärkeren Konzentrationen in der Bankbranche und die Größe systemrelevanter Banken hat in den letzten Jahren zugenommen. Sie sind heute noch gefährlicher, als sie es vor dem Ausbruch der letzten Finanzkrise waren. Zehn Jahre lang wurden keine Mechanismen entwickelt, um eine erneute Bankenkrise abzuwenden, es wurde keine systemrelevante Bank zerschlagen und die Märkte sind mit billigem Geld geflutet worden. Gleichzeitig stagniert die Wirtschaft in den südlichen Ländern vor sich hin und die USA kämpfen mit einem Präsidenten, der überaus sprunghaft ist. Egal was von den Finanzmärkten auf uns zurollt, es zu stoppen, dürfte eine nahezu unmögliche Aufgabe darstellen. Diejenigen die den Preis dafür zahlen müssen, werden vermutlich erneut nicht die Verursacher sein, sondern die einfache Bevölkerung.


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