Finanz- und Wirtschaftsblog

Einfluss niedriger Zinsen auf die Ertragslage von Banken

In Folge der Finanzkrise 2007 war die EZB gezwungen, eine drastische Senkung der Leitzinsen durchzusetzen. Zwar konnten so Banken und Länder wie Griechenland gestützt und gerettet werden, für die Guthaben- und Kreditzinsen bedeutete dies aber ebenfalls einen gleichlaufenden Verfall.

Aus der Krisensituation etablierte sich im Anschluss zunehmend eine dauerhafte Niedrigzinsphase, in der vor allem deutsche Banken mit ihrer hohen Abhängigkeit vom Zinsgeschäft zu kämpfen haben. So können vermehrt Zusammenschlüsse und Fusionen in der Branche beobachtet werden und Institute, die verzweifelt nach neuen Geschäftsfeldern mit ertragreichen Segmenten suchen.

Zinsabhängigkeit von Bankengruppen

Dabei treffen die aktuellen Entwicklungen die verschiedenen Banken durchaus unterschiedlich. Großbanken, die international vernetzt sind und ihr Produktportfolio breit diversifiziert haben, sind weniger stark von der Zinsentwicklung betroffen. Dem gegenüber machen bei Sparkassen und Landesbanken die Zinserträge zwischen 80 und 95 Prozent ihrer operativen Erträge aus.

Daraus resultieren natürlich starke Abhängigkeiten und eine hohe Sensitivität gegenüber Änderungen bei den Zinsen. Dies hat zur Folge, dass kleinere Bankinstitute fusionieren oder aufgegeben werden und sich somit die Zahl der Geldinstitute seit Jahren sukzessive reduziert. Durch die entstehenden Synergyeffekte können die gesunkenen Einnahmen teilweise kompensiert werden, aber auch hier sind Grenzen gesetzt. Vor allem dann, wenn durch die schiere Größe Ablaufprozesse verlangsamt werden, zunehmendes Abteilungsdenken einkehrt und der Kunde aus den Augen verloren wird.

Zahl der Bankinstitute
Zahl der Bankinstitute

Sinkende Zinsspanne und Einbruch der Zinserträge

Das Dilemma für Banken, mit hoher Abhängigkeit von Zinsentwicklungen, wird besonders bei der Betrachtung der Zinsspanne und ihrer Komponenten deutlich. Die Zinsspanne, die die Differenz aus Zinsertrag und –aufwand im Verhältnis zur Bilanzsumme darstellt, ist seit Beginn der 90iger Jahre fast stetig gesunken. Während in den Jahren 1993 und 1994 noch eine Spanne von 1,91 Prozentpunkten beobachtet werden konnte, erreichte sie ihr Minimum von einem Prozentpunkt im Jahr 2012. Von diesem konnte sie sich zwar etwas erholen und lag 2015 um 0,11 Prozentpunkte höher, Grund zum Jubeln stellt dieser kleine Aufschwung aber nicht dar.

Zinsspanne
Zinsspanne

Denn auch wenn sich die Zinsspanne stabilisiert hat, sind die Gesamteinnahmen aus Zinserträgen seit 2008 drastisch zurückgegangen. Gegenüber dem Maximum im Jahr 2008 in Höhe von 417 Milliarden Euro konnten im Jahr 2015 mit 183 Milliarden Euro nicht einmal mehr die Hälfte der Zinserträge erwirtschaftet werden. Diesen Abwärtstrend konnten auch andere Einnahmequellen wie Provisionserträge nicht annähernd kompensieren.

Glücklicherweise sind Zinserträge und –aufwendungen immer zwei Seiten der gleichen Medaille. Denn ebenso wie die Zinserträge zurückgingen, sank auch der Zinsaufwand. Von 347 Milliarden Euro im Jahr 2008 auf 105 Milliarden Euro im Jahr 2015. Zusätzlich werden Einsparungen durch die Konsolidierung erzielt, die die Personalkosten und sonstigen betrieblichen Kosten relativ konstant halten. So konnten trotz rückläufiger Zinserträge die Jahresüberschüsse in der Branche nach 2009 stabilisiert werden, die nun im Schnitt 17 Milliarden Euro betragen und auf einer kleineren Anzahl an Institute verteilen.

Konsolidierung und neue Mitwerber erhöhen den Druck

Nichts desto trotz unterliegt die Bankenbranche weiterhin einem massiven Veränderungs- und Konsolidierungsdruck. Nicht nur, dass Fintechs zunehmend auf den Markt drängen, Nischen besetzen und effiziente Lösungen für den Kunden bieten, auch fundamentaleVeränderungen wie die Block-Chain, werden die Branche zunehmend umkrempeln.

Jahresüberschuss / -defizit
Jahresüberschuss / -defizit

Noch hält sich die Bankenbranche recht wacker, die Gewinne sind konstant und die Kostenseite wird aktiv angegangen und gestaltet. Und auch wenn die Banken aktuell den sterbenden Schwan mimen, so sind sie eigenkapitaltechnisch und finanziell durchaus solide aufgestellt. Dennoch wächst der Druck auf kleinere und klassische Geldinstitute durch die zunehmende Digitalisierung. Die Zukunft wird letzten Endes zeigen, welchen Weg die Konsumenten wünschen und ob das klassische Kredit- und Filialgeschäft noch genügend Einnahmen erwirtschaften.

Datenquelle: Bundesbank und IWF


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