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Bitcoins und die Entstehung einer perfekten Blase

In den letzten Tagen beherrschte die Cryptowährung Bitcoin nicht nur die Finanzwelt, sondern auch die deutschen Gazetten. So wurden in regelmäßigen Abständen Artikel über neue Höchststände und Möglichkeiten für Privatanleger veröffentlicht, um an dem aktuellen Boom zu partizipieren. Das sich der Preis der Bitcoin-Währung innerhalb eines Jahres versechzehnfacht hat und insbesondere durch Spekulanten getrieben wird, scheint man nur als Randnotiz wahrzunehmen. Als hipp, modern und digital wird die Währung wahrgenommen, bei der man einfach dabei sein muss, selbst wenn in den letzten Tagen Kursschwankungen von mehreren tausend US-Dollar beobachtet werden konnte.

Dotcom-Blase als Folge überzogener Erwartungen durch die Anleger

Dieses Verhalten der Anleger lässt leider darauf schließen, dass sie aus den vergangen Blasen des aktuellen Jahrtausends nichts gelernt haben. Bereits die Dotcom-Blase zu Beginn der 2000er Jahre, als auch die Blase am Häusermarkt in den USA basierten auf ähnliche Phänomenen, wie wir sie heute beobachten können. Blasen haben sich in der Vergangenheit dadurch ausgezeichnet, dass die Umsätze und Preise für einzelne Assets oder Gruppen von Assets in kurzen Zeiträumen sehr stark anstiegen und sich von ihrem fundamentalen Wert deutlich entfernten.

So schossen während der Dotcom-Blase Internetunternehmen wie Pilze aus dem Boden und wurden innerhalb kürzester Zeit an die Börse gebracht. Die überzogenen Gewinnerwartungen der Anleger, die durch Medien und veröffentlichte Kursziele getrieben wurden, ignorierten dabei weitestgehend die fundamentalen Daten wie Jahresabschlüsse oder Business Pläne. Als die Blase platzte und viele dieser Unternehmen liquidiert wurden oder die Kurse auf einen realistischen Wert kollabierten, waren es vor allem Kleinanleger, die die Verluste zu tragen hatten. Sie glaubten an die Versprechungen von Banken, Politikern, Unternehmen und Finanzanalysten und zahlten letzten Endes den Preis für ihre Unerfahrenheit und Unwissen.

Bitcoins – Eine Währung mit Vor- und Nachteilen

Der Unterschied zwischen der Dotcom-Blase und der Blase bei Bitcoins ist die zugrundeliegende Assetklasse. Während erste realwirtschaftliche Unternehmen umfasst, ist letztere ein reines Online-Phänomen mit sehr begrenzter Reichweite und begrenztem Ausmaß. Bitcoin ist eine Währung, die auf der Technologie der Blockchains basiert und zumindest theoretisch ein dezentral verwaltetes und anonymes Zahlungsmittel darstellt. Die Vorteile sind dabei insbesondere die schnelle Zahlungsabwicklung, die innerhalb von zehn Minuten vollzogen werden kann, während Banken dafür zumeist einen Tag benötigen und am Wochenende überhaupt keine Zahlungen transferieren. Die Anonymität ist ein weiterer Punkt, der Bitcoin große Beliebtheit zutrug, wenngleich es Mittel und Wege gibt, diese auszuhebeln. Insbesondere bei Ein- und Austrittspunkten zu anderen Währungen, könnten Transaktionen einer realen Person zugeordnet werden. Ein weiterer Vorteil ist die Irreversibilität, bei der eine einmal bestätigte Transaktion nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, sondern durch eine erneute Transaktion des Empfängers an den Absender erfolgen muss.

Letzteres kann bei einer Fehlüberweisung aber auch schnell als ein Nachteil angesehen werden, wohingegen es bei Verträgen, die online geschlossen werden, eher ein Vorteil ist. Zu den weiteren Nachteilen gehört sicherlich die in den letzten Monaten beobachtbare Volatilität, die sich auf den allgemeinen Gebrauch als Zahlungsmittel sehr negativ auswirkt. Durch die schnell ansteigenden Preise für Bitcoins und den hohen Kursschwankungen innerhalb kürzester Zeit besteht für Verkäufer und Käufer ein enormes Risiko. Zwischen Kaufabschluss, Bestätigung und Aufnahme in die Blockchain, kann zu viel Zeit vergehen, in dem sich der Wert der Bitcoins drastisch ändert und so für Käufer oder Verkäufer einen Verlust darstellt.

Dies mindert die Nutzbarkeit der Währung als Zahlungsmittel und öffnet sie vor allem für Spekulationszwecken. Ein weiterer Nachteil ist der hohe Energiebedarf, der für die Bestätigung einer Transaktion aufgewandt werden muss. Für die Bestätigung bedarf es einen individuellen Hash-Wert der durch sogenannte Miner ermittelt wird. Der Nachteil ist, dass für die Berechnung dieses Hashwertes enorme Mengen an Energie aufgewendet werden müssen und somit Bitcoins nicht unbedingt umwelt- oder klimafreundlich sind. Aber das Kernproblem von Bitcoin ist, dass es als Währung ohne inneren Wert seinen Nutzen verloren hat.

Wenn Währungen ihren Nutzen verlieren

Währungen waren in der Vergangenheit zwar durch Gold gedeckt, dies wurde aber durch Nixon 1971 beim US-Dollar beendet und somit sind die heutigen relevanten Währungen durch nichts als Vertrauen der Nutzer gedeckt. Dabei bestimmt sich der Preis einer Währung immer durch Angebot und Nachfrage auf dem Markt. Ist die Nachfrage hoch und das Angebot knapp, dann steigt der Preis vice versa. Das gleiche Phänomen haben wir bei Bitcoins, bei denen Aktuell die Nachfrage das Angebot übersteigt, problematisch ist nur, dass die Nachfrage vor allem durch institutionelle Anleger und deren überzogenen zukünftigen Erwartungen geschürt wird. In Kombination mit einem stark begrenzten Angebot, eine ideale Basis für eine Blasenbildung.

Somit verkommen Bitcoins zunehmend zu reinen Spekulationszwecken, während die Transaktionen zum Austausch von Gütern und Dienstleistungen in den Hintergrund treten. Bitcoins verlieren schlussendlich ihren Nutzen als Zahlungsmittel und Rechnungseinheiten und werden zu reinen Spekulationsobjekten degradiert, in die erneut unerfahrene Investoren gelockt werden. Durch die ab heute zugelassenen Futures auf Bitcoins könnte sich der Traum vieler Anleger aber auch schnell in Rauch verwandeln, da es nun effektive Möglichkeiten gibt, Bitcoins zu shorten.

Welche Folgen sich aus dem Platzen der Bitcoin-Blase ergeben, ist nur schwer abzusehen. Bei der reinen Betrachtung der Zahlen sollte sich aber das Ausmaß in Grenzen halten, da Bitcoins mit einer Marktkapitalisierung von 225 Milliarden aktuell nur einen Anteil von 0,01 Prozent am Währungsmarkt besitzen. Mit Gewissheit sind solche Prognosen aber nicht abzugeben, da Vernetzung und Engagement von Banken, institutionellen Anlegern und Teilnehmern im Bitcoin-Netzwerk nicht ersichtlich sind.

Bitcoin Marktkapitalsisierung
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